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genug von panama

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mi 28 Okt 2009 16:22

panama hat aber nicht nur schöne seiten.

als ich am nächsten morgen zwischen zwei mülltonnen aufwachte, fehlte von der vollbusigen bardame, den drei vallenatos und meinem portemonnaie jede spur. und auch meine kleidung war nicht mehr da, wo sie eigentlich hätte sein sollen. also schnappte ich mir einen zerfledderten müllbeutel aus einer der tonnen, schüttelte ihn kurz aus und verdeckte mit ihm das nötigste, meinen piephahn. immerhin hatten die diebe mir den rest des zauberapfels gelassen, stellte ich erleichtert fest, auch wenn dieser neben mir im schmutz gelegen hatte und nun alles andere als appetitlich aussah.
da ich mittlerweile genug von panama hatte und auch nicht mit einem müllbeutel bekleidet durch die straßen santiagos laufen wollte, biss ich ein stück von dem dreckigen zauberapfel ab, nahm einige schritte anlauf und warf mich schwungvoll in die luft, um auf dem schnellsten wege nach hause zu fliegen. anders als beabsichtigt landete ich allerdings nur einige meter weiter ziemlich unsanft neben einem straßenköter, der mich verdutzt anschaute und anscheinend nicht so recht wusste, ob er mich nun beschnuppern oder auslachen sollte.
da ich mir ein wenig blöd vorkam und der hund wirklich doof guckte, warf ich die überreste des apfels, der anscheinend nicht mein zauberapfel war, auf den köter. dieser fand das allerdings nicht ganz so lustig, richtete sich zu seiner vollen größe auf und knurrte mich zähnefletschend an, während ich mich spontan dazu entschloss, besser die beine in die hand zu nehmen und nach hause zu laufen.

hoch über den dächern santiagos entdeckte ich einen wild gestikulierenden kerl, der mein hemd und meine hose trug und augenscheinlich probleme hatte, wieder zu landen.
das geschieht dir recht, du böser dieb, dachte ich bei mir und lief noch ein wenig schneller, da der hund langsam aufholte…

am busen der rothaarigen bardame

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 26 Okt 2009 17:20

ich schlenderte durch die nächtlichen straßen santiagos, als rhythmische musik an meine ohren drang, mich erst in einen finsteren hinterhof lockte und schließlich in einen club führte, der mit sicherheit schon bessere zeiten erlebt hatte. ein mann mit gelbem hemd und braunen zähnen bearbeitete dort auf einer kleinen bühne sein akkordeon, als gäbe es kein morgen mehr, während ein hagerer kerl mit braunem hemd und gelben zähnen auf seiner doppelköpfigen trommel einen diabolischen rhythmus vorgab. ein dritter mann, der zwischen den beiden anderen auf der bühne kniete und seine zähne an einer kette um den hals trug, bediente gekonnt ein instrument, das ich noch nie zuvor gesehen hatte und güira genannt wurde, wie ich später noch erfahren sollte.
da mir die musik gefiel, mischte ich mich unter die tanzende meute und bewegte meinen körper mehr oder weniger geschmeidig zu den lateinamerikanischen klängen, während die drei auf der bühne noch eine schippe drauflegten. “das ist ja der wahnsinn”, rief ich, “bravo”, und klatschte in die hände, als das ensemble ihr spiel beendet hatte.
ich taumelte verschwitzt zur theke, wo eine rothaarige bardame und ein glas rübenschnaps anscheinend schon auf mich warteten. “danke”, sagte ich, zwinkerte der rothaarigen kurz zu und spühlte das teufelszeug in einem zug hinunter.
“die drei vallenatos wollen, dass sie mit ihnen spielen”, sagte die rothaarige und deutete zur bühne, wo mir die drei musiker lächelnd zuwinkten, nachdem ich mich zu ihnen umgedreht hatte.
ich musste nicht lange überlegen. “na, warum nicht? aber vorher brauche ich wohl noch ein glas von diesem … diesem teufelsschnaps hier”, lachte ich.
nachdem ich auch das zweite glas geleert hatte, bahnte ich mir einen weg zur bühne und kletterte hinauf. ich nahm die trommel entgegen, die mir einer der musiker hinhielt, setzte mich auf einen schemel und klemmte mir das instrument zwischen die beine. dann fing ich an zu trommeln, erst vorsichtig und langsam, schließlich aber immer schneller und wilder, während die drei vallenatos in mein aberwitziges spiel einstiegen und wir zu viert klänge fabrizierten, wie sie santiago noch nie zuvor gehört hatte.

panama, dachte ich, während ich am busen der rothaarigen bardame friedlich einschlummerte. oh, wie schön ist panama…

bis nach panama

es schrub christian s. in hallo kleiner junge — christian s. Mi 21 Okt 2009 11:08

als ich heute morgen mein küchenfenster öffnete, saß ein kleiner junge auf dem fensterbrett und lächelte mich freundlich an. nun muss man wissen, dass ich im dritten stock wohne, und nicht einmal eine regenrinne oder gar eine feuerleiter an meinem fenster vorbei führt. also fragte ich den kleinen jungen:
“hallo, kleiner junge. sag, wie bist du hier heraufgekommen?”
“ich bin geflogen”, behauptete der kleine junge, grinste mich verschmitzt an und reichte mir einen apfel.
“danke”, sagte ich und nahm den apfel entgegen.
“das ist ein zauberapfel”, sagte der kleine junge noch, bevor er von dem fensterbrett sprang und davon flog.
“ein zauberapfel?”, wiederholte ich. “lecker sieht er aus.”
ich nahm schnell einen großen bissen von dem zauberapfel und kletterte nach draußen. dann flog ich über die dächer und wolken und bis nach panama.
morgen komme ich zurück.

seine frau, die nie lachte

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 19 Okt 2009 16:08

herr schnapf, der mann, der sich einst schief lachte, versuchte die kaputte glühbirne zu erreichen, die an der decke über ihm hing, doch so sehr er sich auch streckte, er kam einfach nicht an sie ran. er sprang einige male in die luft, stellte sich vor, wie albern er dabei aussehen musste und fing schließlich lauthals an zu lachen.
“ich möchte mal gerne wissen, was daran so komisch ist”, murrte seine frau, die nie lachte, noch nicht einmal im keller. “schau dich doch nur mal an, nicht einmal eine birne kannst du mit deinem verbogenen körper wechseln.” sie nahm ihrem mann die glühbirne aus der hand, schraubte die kaputte aus der fassung und ersetzte sie durch die neue, ohne dabei eine miene zu verziehen. dann ging sie ins badezimmer, schloss sich ein und ärgerte sich mal wieder darüber, diesen damals noch nicht ganz so krummen witzbold geheiratet zu haben und nicht den schönen robert, bei dem sie durchaus chancen gehabt hätte, während herr schnapf sich gerade überlegte, ob er mit seinem schiefen körper nicht im zirkus – oder zumindest in der supertalent-show – auftreten könnte.

auf voll-playback verzichten

es schrub christian s. in lesungen — christian s. Mi 14 Okt 2009 13:53

nachdem ich in berlin aufgrund stimmlicher probleme nur so getan hatte, als würde ich meine texte vorlesen, werde ich bei der nächsten lesung am 12. dezember 2009 in köln auf voll-playback verzichten und wieder richtig lesen. das habe ich der wunderbaren frau von aichberger versprochen, die all ihre twitter-follower gemalt hat (sogar mich) und nun mit ihrer ausstellung “ich male meine follower” vom 12. dezember 2009 bis zum 02. januar 2010 im kulturbunker köln-mühlheim zu gast sein wird. im rahmen dieser ausstellung werden neben meiner wenigkeit viele hochkarätige vortragende den abend bereichern, freuen sie sich bitte jetzt schon.

kulturbunker köln-mülheim
12. dezember: vernissage mit lesungen

12. dezember 2009 – 2. januar 2010
berliner straße 20
51063 köln

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derGrob

die sache mit marlene

es schrub christian s. in simons neue freundin — christian s. Mo 12 Okt 2009 18:53

“hattest du schon mal eine freundin, die durch die nase gepupst hat?”, wollte simon von mir wissen, und ich konnte gar nicht anders, als ungläubig die stirn zu runzeln und meinen kopf zu schütteln.
“nein. so eine freundin hatte ich ehrlich gesagt noch nicht”, gab ich zu. “allerdings hat mein hamster neulich durch die nase gepupst. ich muss sagen, das ist ganz schön eklig.”
mein freund blickte traurig zu boden. “oh ja, das ist es”, bestätigte er. “das ist es in der tat.”
“soll das etwa heißen, dass … dass marlene”, so hieß simons neue freundin, “dass marlene durch die nase pupst?”
simon nickte. “immer, wenn sie lachen muss”, sagte er. “hängt wohl irgendwie mit der schilddrüse zusammen.”
“hm, das ist natürlich nicht so schön”, meinte ich, denn ich konnte seinen kummer – dank meiner überdurchschnittlich ausgeprägten vorstellungskraft – sehr gut nachempfinden. “da kann man ja nur hoffen, dass sie nicht so häufig lachen muss”, versuchte ich zu scherzen, doch simon schaute mich nur niedergeschlagen an. mir schwante augenblicklich übles. “sag jetzt bitte nicht, dass sie häufig lachen muss.”
simon atmete tief durch. “oh doch, das muss sie”, seufzte er. “eigentlich immer, wenn sie mich sieht.”
“sie muss lachen, wenn sie dich sieht?”
“und pupsen”, nickte simon. “durch die nase.”
“aber doch hoffentlich nur, wenn du dein helmut gaga-outfit trägst”, sagte ich, da ich das dann widerum sehr gut hätte nachvollziehen können. “oder sonst etwa auch?”
“sonst auch”, meinte simon, augenscheinlich den tränen nahe, “sogar beim sex.”
“das … das ist ja furchtbar”, sagte ich und legte meinem freund eine tröstende hand auf die schulter, bevor ich ihm schließlich dazu riet, die sache mit marlene doch besser noch einmal zu überdenken.

mach’s gut, johnny

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mi 7 Okt 2009 14:05

als der cowboy gestern abend “time to say goodbye” auf seiner gitarre spielte und dazu sang, habe ich mir nichts dabei gedacht. ich habe ihn lediglich darauf hingewiesen, dass er sich doch bitte an die ruhezeiten zu halten habe, und ihm dann noch eine gute nacht gewünscht. und heute morgen dann, als ich uns beiden frühstück machen wollte, war sein platz auf meiner couch plötzlich leer, von dem cowboy fehlte jede spur. das einzige, das noch an ihn erinnerte, war die kuhle, die er ins sofa gesessen hatte. und ein zettel, der in der kuhle lag.
“vielen dank für alles, mein freund”, stand auf dem zettel. “mach’s gut, johnny.”
johnny? war das sein name gewesen? und … und waren wir tatsächlich freunde? dass ich ihn nie nach seinem namen gefragt hatte, beschämte mich jetzt. eigentlich hatte ich gar nichts über meinen mitbewohner gewusst.
“johnny”, murmelte ich und setzte mich in die kuhle. ich werde dich vermissen. deine verstimmte gitarre und deine knarzige stimme. und vor allem deine eigenwilligen interpretationen europäischer dance-klassiker der 90er, mit denen du mich jeden morgen geweckt hast. “mach’s gut, mein freund.”

keine lust zu tanzen

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 5 Okt 2009 16:55

“ist das ihr elefant?”, fragte herr bertelskamp, während ich mit offenem mund an dem hausmeister vorbeistaunte. hinter ihm rieb sich gerade ein elefant – den ohren nach zu urteilen ein afrikanischer – ausgiebig an einer straßenlaterne.
“nein. ich denke nicht”, meinte ich, als die laterne plötzlich abknickte und der elefant schelmisch grinste.
das fand herr bertelskamp, dem die straßenlaterne vor unserem haus besonders am herzen lag, nicht ganz so gut. “das darf doch wohl nicht …”, grummelte der hausmeister, bevor er dem grauen koloss beherzt seinen besen in die seite stieß. allerdings nicht mit dem gewünschten erfolg. der elefant trötete herrn bertelskamp nur frech an anstatt das weite zu suchen, schnappte sich mit seinem rüssel den holzstiel und fing an, genüsslich auf diesem rumzukauen.
“haben sie vielleicht eine idee, wie wir dieses riesenviech wieder loswerden?”, fragte mich der hausmeister, und da ich tatsächlich eine idee hatte, nickte ich.
“ich kenne zufällig den elefantenfänger von köln-sülz. der kann uns sicher weiterhelfen”, sagte ich nicht ohne stolz. doch herr bertelskamp, der davon ausging, dass ich ihn wieder verscheißern wollte, blickte mich nur finster an.
“sie brauchen mich gar nicht so böse anzuschauen. den elefantenfänger von köln-sülz gibt es wirklich”, meinte ich, als plötzlich lustige flötenmusik erklang und ein bunt gekleideter kauz mit bebömmelten schuhen um die ecke getanzt kam. “sehen sie”, sagte ich triumphierend, während der elefant augenblicklich anfing, seinen massigen körper zu der musik zu bewegen.
auch ich konnte – obwohl ich kein elefant bin – der melodie des flötenmannes nicht widerstehen und tanzte eine weile mit. nur herr bertelskamp, der lieber die überreste seines besens aufsammelte, hatte anscheinend keine lust zu tanzen.

"wie sonderbar", sprach der mann in meinem kopf, rieb sich kurz seine nase und machte einen purzelbaum.