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nur noch tanzend

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mi 30 Apr 2008 21:07

die welt wäre eine bessere, wenn sich alle menschen nur noch tanzend fortbewegen würden.
- shorty, ausdruckstänzer des jahres 2007

“hey, was ist denn mit dem los?”, fragte ich peter, als sich ein junger kerl dem biergarten, in dem wir gerade saßen, bier tranken und frauen beobachteten, näherte.
“was, wen meinst du?”, fragte peter und gab der kellnerin das zeichen, das man einer kellnerin für gewöhnlich gibt, wenn man gerne zahlen würde. “zahlen”, rief er ihr zu, nur zur sicherheit, falls die kellnerin neu in diesem geschäft war und das zeichen noch nicht kannte.
“na, den typen da, auf der anderen straßenseite”, sagte ich und zeigte auf den typen, den ich meinte.
“ja, den sehe ich. was soll mit ihm sein?”
“findest du nicht, dass er sich irgendwie komisch bewegt?”
peter schaute etwas genauer hin, wobei er seine augen so zusammen kniff, dass sie fast geschlossen waren. ich bezweifelte, dass er in diesem moment sonderlich viel sah.
“ach so, das meinst du. hm. es sieht so aus, als würde er sich in eleganten walzerschritten vorwärts bewegen”, meinte peter und fand es anscheinend in keinster weise seltsam. “kannst du eigentlich walzer tanzen?”, fragte er mich unvermittelt.
“ich… habe es mal gelernt”, gab ich zu. “ist aber schon eine weile her.”
die kellnerin kam zu uns an den tisch, und peter zückte sein portemonnaie, während ich unauffällig den typen beobachtete, wie er gerade an dem biergarten vorbei walzerte, was – wie ich fand – nicht nur sehr merkwürdig sondern auch ziemlich dämlich aussah.
“so, ich muss dann mal”, sagte peter, als er bezahlt hatte, und erhob sich von seinem platz.
“alles klar”, sagte ich, den blick immer noch auf den komischen kerl gerichtet. “wir sehen uns dann nächste woche.”
als peter begann, seinen oberkörper auf eine seltsame weise zu schütteln, die mich an einen paarungsbereiten ameisenbären mit krämpfen erinnerte, hatte er meine volle aufmerksamkeit. ich dachte erst, mein freund hätte einen epileptischen anfall und starke schmerzen. doch er strahlte wie ein überglücklicher schneekönig. seine füße bewegten sich flink über den boden. dann lachte er und warf seinen kopf nach hinten. und wieder nach vorne. und auch zur seite.
“was…?”, fragte ich.
“lambada”, keuchte peter, denn er war schon nach wenigen augenblicken ziemlich aus der puste. “bis… bis nächste… woche dann.”
ich schaute meinem freund ungläubig hinterher und bemerkte erst gar nicht die kellnerin, die neben mir wartete und ungeduldig einen stepptanz aufführte, als wäre sie fred astaire und ginger rogers in einer person.
“wollen sie auch zahlen?”, fragte sie, doch ich reagierte nicht. “hallo, hören sie mich?”
ich hörte sie zwar, doch konnte ich meinen blick nicht von der attraktiven jungen frau abwenden, die hinter der steppenden kellnerin wohl so eine art mokunanesischen balztanz aufführte, immer wieder laut aufstöhnte und schließlich mit einem ententanzenden mann um eine ecke verschwand.
“ich denke, ich… ich brauche jetzt noch ein bier”, sagte ich, und die kellnerin begann, in richtung theke zu steppen.

besonders auf asphalt

es schrub christian s. in sehr geehrter fragensteller — christian s. Di 29 Apr 2008 21:23

welche hunde brauchen kaum auslauf?

sehr geehrter fragensteller. vor einiger zeit ist es einem freund von mir gelungen, hunde zu züchten, die keine beine haben. diese “hunde ohne beine”, wie er sie genannt hat, brauchen gar keinen auslauf. allerdings brauchen diese hunde – wenn sie vorhaben, doch einmal mit ihm vor die türe zu gehen – ein kleines rollbrett unter ihrem beinlosen körper. ansonsten kann es für einen hund ohne beine nämlich überaus schmerzhaft werden, wenn sie ihn an einer leine hinter sich her schleifen. besonders auf asphalt. und abgesehen davon, dass er davon mit sicherheit nicht begeistert sein wird, wird er anschließend auch nicht mehr sonderlich gut ausehen. aber wie gesagt, prinzipiell brauchen hunde ohne beine keinen auslauf. sie sollten allerdings darauf achten, ihn hin und wieder in eine schüssel zu stellen. oder auf den balkon, sonst pieselt er nachher noch auf das sofa oder halt dorthin, wo sie ihn gerade hingelegt haben. und aus eigener erfahrung kann ich ihnen noch sagen, dass hunde ohne beine – anders als andere hunde – nur sehr schlechte schwimmer sind (r.i.p., legless rufus!).

eine klassische win-win-situation

es schrub christian s. in lesungen — christian s. So 27 Apr 2008 14:51

wenn eine lesung ansteht, dann macht man sich ja schon so seine gedanken darüber, was man denn im rahmen dieser lesung zum besten geben möchte. zumindest sollte man das. ansonsten steht oder sitzt man am abend der lesung auf der bühne vor zahlreichen erwartungsfrohen gesichtern, blickt verlegen auf den boden oder an die decke, überlegt, ob es jetzt vielleicht zu spät ist, die lesung abzusagen, kommt schließlich zu dem schluss, dass es in der tat schon zu spät dafür ist, und überlegt schnell, ob es irgendwer mitbekommen würde, wenn man sich heimlich zur hintertür rausschleicht. und das alles nur, weil man sich nicht vorher überlegt hat, was man denn überhaupt vortragen möchte, und dementsprechend auch nichts dabei hat. das ist dann nicht nur äußerst unprofessionell, sondern auch ziemlich peinlich. und ärgerlich, zumindest für die angereiste zuhörerschaft. tja, und da ich weder sie noch mich in solch eine situation bringen möchte, mache ich mir schon so meine gedanken darüber, was ich denn am 01.06. und am 28.06. vorlesen könnte. (zumindest habe ich mir fest vorgenommen, mir diese gedanken noch zu machen. und zwar rechtzeitig.)

vielleicht können sie mir ja auch ein wenig dabei helfen, in dem sie einfach auf die frage, was sie denn gerne hören würden, antworten. also: gibt es den ein oder anderen text, der aus irgendeinem grund bei ihnen hängen geblieben ist, und der es in ihren ohren wert ist, vorgelesen zu bekommen? dann teilen sie mir dies doch bitte mit.
(wenn wir schön viele zusammen bekommen, spare ich mir so eine menge arbeit, und sie bekommen die texte zu hören, die sie auch hören wollen. eine klassische win-win-situation, würde ich sagen.)

kommen sie aber bitte nicht auf die idee, sich einen “phodopus sungorus“-text auszusuchen. glauben sie mir, sie wollen nicht hören, wie ich meine stimme auf eine makabere art und weise verstelle, so dass sie zumindest annähernd der eines zwerghamsters gleicht. okay. vielleicht wollen sie gerade das. aber ich – bitte haben sie dafür verständnis – möchte das nicht.

leben in einem luftballon

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 24 Apr 2008 23:51

“… und irgendwann platzt der ballon, und der junge stirbt.”
norbert schaute mich komisch an, sagte aber kein wort.
“und, was hältst du von der idee?”, fragte ich.
“also, ich weiß nicht.”
“du magst das ende nicht!?”
“hm.”
“du… du magst also die idee nicht?”
“ich mag die idee… irgendwie”, meinte norbert. “ein buch über einen jungen zu schreiben, der sein ganzes leben in einem luftballon verbringt, mit all den komplikationen, die solch ein leben mit sich bringt, doch… ich denke, darauf ist noch keiner gekommen.”
ich nickte. ich fand meine idee ohnehin ausgesprochen gut.
“aber um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass irgendwer das buch lesen wird.”
“du zweifelst also an dem kommerziellen erfolg meines buches?”
norbert rieb sich das kinn.
“so kann man es sagen, ja”, sagte er zögerlich. “ich denke nicht, dass es sich verkaufen wird.”
“wieso?”, fragte ich.
norbert schaute mich eine weile schweigend an, bis er schließlich sagte: “kennst du das buch über das mädchen, das ihr ganzes leben in einer flasche verbringt, bis diese schließlich durch ein dummes missgeschick umgestoßen wird, zerbricht, und das mädchen daraufhin stirbt?”
“nie davon gehört”, gab ich zu. “obwohl die idee zweifelsohne gut ist.”
“das buch habe ich geschrieben”, sagte norbert, was mich überraschte. ich hatte nicht gewusst, dass norbert bücher schrieb. “und jetzt rate mal, wie oft sich dieses buch verkauft hat.”
“keine ahnung”, sagte ich. “viele male?”
“ganze zwei mal”, sagte norbert. “meine mutter hat ein exemplar für sich gekauft, und noch eins, das sie irgendwann einmal verschenken wollte, aber bis heute nicht verschenkt hat.” er machte eine pause, die er dazu nutzte, mich eindringlich anzuschauen. “verstehst du, was ich dir damit sagen möchte?”
ich überlegte kurz. und verstand.
“hm, vielleicht hast du recht”, sagte ich. “das buch sollte wirklich nicht mit dem tod des jungen enden. ein happy end würde sich mit sicherheit besser verkaufen. der junge könnte ja am schluss mit dem luftballon zum mond fliegen und dort noch ein langes, glückliches leben führen. oder… oder ein mädchen kennen lernen, das sich in ihn verliebt, und das schließlich zu dem jungen in den ballon steigt. und gemeinsam fliegen sie dann in dem luftballon zum mond… ja, ich denke, das ist ein tolles ende.”
ich strahlte aufgeregt, während norbert als zeichen seiner zustimmung nur langsam den kopf schüttelte.

aus einem grund

es schrub christian s. in feen tragen stiefel — christian s. Di 22 Apr 2008 20:55

liebe mich nicht zum spaß, mädchen.
lass mich der eine sein, mädchen.
liebe mich aus einem grund.
lass liebe dieser grund sein.

wer sich ein wenig mit grindcore auskennt, wird diesen klassiker des gepflegten krachs sofort erkennen. und der erste, der den song erkennt und dann auch noch hier nennt, darf mir auch dieses mal wieder fünf überdurchschnittlich lustige begriffe nennen, die ich dann in einer sensationellen geschichte verarbeiten werde.
(wer den song nicht kennt und googlet, um dann mit vorgetäuschtem musikwissen zu protzen, riecht nach rosenkohl.)

phodopus sungorus (58)

es schrub christian s. in phodopus sungorus — christian s. Mo 21 Apr 2008 23:16

“hey, du. kleiner dsungarischer zwerghamster. was machst du da?”
“ich kopuliere.”
“gehören dazu nicht mindestens zwei?”
“nein. hamster können auch alleine kopulieren.”
“hm. bist du sicher, dass du kopulieren meinst, und nicht onanieren?”
“natürlich bin ich mir sicher. ich würde niemals onanieren.”
“und was war heute morgen? und gestern abend? und letzten freitag, als du dachtest, ich sei auf der arbeit?”
“du warst gar nicht auf der arbeit?”
“nein. ich war die ganze zeit hier.”
“oh, da… da habe ich mich nur geputzt. nachdem ich einige male… kopuliert habe.”

kein vogel wollte ihn fressen

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. So 20 Apr 2008 16:04

slobberball jim, der marienkäfer ohne flügel, hockte auf einem blatt und wartete darauf, dass ein vogel kam, um seinem traurigen leben endlich ein ende zu bereiten. denn slobberball jim hatte weder flügel noch freunde, wobei zweiteres zu einem großen teil an ersterem lag, und daran, dass er einem winzigen, dreckigen schneeball nicht unähnlich sah.
doch kein vogel wollte ihn fressen. nicht einmal hardy der mistfink, der sonst alles fraß.
das machte slobberball jim noch trauriger, als er ohnehin schon war.
er überlegte gerade, ob es eine gute idee wäre, sich von dem blatt in die tiefe zu stürzen, oder ob er sich dabei doch nur alle beine brechen und dann gar nicht mehr von der stelle kommen würde, als plötzlich herr kaminski auftauchte und vor dem strauch stehen blieb.
herrn kaminski, der eine atemschutzmaske trug, gehörte der garten und der strauch mit dem blatt, auf dem slobberball jim hockte. ihm gehörte auch der kanister, den er auf dem rücken trug, und das pestizid, das sich in dem kanister befand, und mit dem er nun den strauch großzügig bestäubte. dass er auch slobberball jim bestäubte, bekam herr kaminski gar nicht mit.

als herr kaminski zu dem nächsten strauch ging, war slobberball jim schon längst nicht mehr am leben. dieser hockte irgendwo auf einer wolke, die nur für ihn und der kleinen harfe, die neben ihm lag, platz bot.
slobberball jim fragte sich, wie er denn nur ohne flügel hier wieder runter kommen sollte, und ob das nun tatsächlich der himmel für marienkäfer war oder doch nur die hölle.
er blickte vorsichtig über den rand der wolke und sah weit und breit nur helles nichts. sonst nichts. hier kam er also nicht mehr weg, stellte slobberball jim niedergeschlagen fest, und da er noch nicht einmal harfe spielen konnte, musste es wohl die hölle sein, in der er sich befand.
slobberball jim trat verzweifelt gegen die harfe, die daraufhin einen unschönen ton von sich gab, über den rand der wolke fiel und schließlich im nichts unter ihm verschwand.

den letzten klopper

es schrub christian s. in simons neue freundin — christian s. Mi 16 Apr 2008 20:17

“hattest du schon mal eine freundin, die pferde süß fand?”, fragte mich simon und schaute dabei überaus ernst drein.
“ich… hatte mal eine freundin, die pferde lecker fand”, antwortete ich zögerlich. “aber süß, nein. ich glaube nicht.”
“monika findet pferde süß.”
monika war simons neue freundin, die letzte woche – völlig überstürzt, wie ich fand – bei ihm eingezogen war.
“süß, inwiefern?”, fragte ich.
“wenn sie ein pferd sieht, sagt sie sachen wie ‘oh, ist das aber süß’, oder ’so ein süßes pferd habe ich noch nie gesehen’.” simon machte eine pause, die er nutzte, um seinen kopf in die hände zu nehmen und verzweifelt zu gucken. “selbst den letzten klopper findet sie süß, kannst du dir das vorstellen?”
abgesehen davon, dass er sicherlich klepper meinte, und nicht klopper, konnte ich mir das nur sehr schwer vorstellen.
“hm. was sagt sie denn, wenn sie… wenn sie beispielsweise eine kuh sieht?”
“‘da steht eine kuh’, oder so. keine ahnung. jedenfalls findet sie kühe nicht annähernd so süß wie pferde. ich glaube sogar, sie findet kühe widerlich.”
“aha”, meinte ich, als wüsste ich rat.
“was soll ich denn nur tun? ich… ich hasse pferde. und jetzt will sie auch noch, dass ich ihr ein pferd kaufe. ein pferd, verstehst du? in meiner kleinen wohnung.”
ich verstand.
“dann sag ihr doch einfach, dass du ihr das pferd kaufst, wenn du im gegenzug die kuh bekommst, die du schon so lange haben möchtest. das wäre doch ein fairer deal.”
“aber… ich wollte doch noch nie eine kuh haben.”
“ich weiß das”, meinte ich und zwinkerte meinem freund verschwörerisch zu. “aber monika weiß das nicht.”
“du hast recht.” simon strahlte vor freude, als er endlich verstand. “nie im leben würde sie darauf eingehen.”
“ganz genau.”
simon bedankte sich bei mir, beschloss, noch am gleichen abend mit monika darüber zu reden, und ging schließlich nach hause.

als ich die beiden heute in simons wohnung besuchte, hatten sie ein pferd, das im flur stand, eine kuh, die gerade dabei war, die vorhänge aus der küche wiederzukäuen, sowie ein ausgewachsenes schwein, das es gratis dazu gegeben hatte. simon kniete neben dem schwein und schrubbte den boden, während monika mir stolz ihr pferd zeigte.
“ui, das ist aber wirklich süß”, stellte ich fest und streichelte das süße pferd, während ein schmutziger lappen, der aus simons richtung geflogen kam, nur knapp meinen kopf verfehlte.

der elch aus panade

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 15 Apr 2008 19:29

der elch aus panade starrte den mann aus zucker schon eine ganze weile angriffslustig an, was diesen nicht wirklich behagte. schließlich wusste er, dass elche ziemlich gefährlich sein können, zumindest wenn man sie reizt. also tat er nichts, was den elch hätte reizen können, bewegte sich keinen millimeter von der stelle. bis dem mann aus zucker plötzlich einfiel, dass der elch vielleicht gerade das als provokation empfinden könnte.
was für ein dilemma, dachte der mann aus zucker und stöhnte kaum hörbar.
hat dieser komische typ da, der mich schon die ganze zeit so seltsam anschaut, etwa gerade gestöhnt?, fragte sich der elch aus panade und blökte, woraufhin der mann aus zucker vor schreck zusammenzuckte. dadurch fühlte sich der elch erst recht provoziert und schnaubte wild, bevor er sich schwerfällig in bewegung setzte. er nahm langsam aber stetig geschwindigkeit auf, senkte sein mächtiges geweih und peilte damit den mann aus zucker an, der vor angst zu einer zuckersäule erstarrt war.
als es von einer sekunde auf die andere plötzlich anfing, wie aus kübeln zu schütten, atmete der zuckermann erleichtert auf. der regen machte aus dem elch in nur wenigen augenblicken einen unförmigen haufen panade, noch bevor er den mann erreichen konnte.
sicherlich hätte der mann aus zucker sich noch ein klein wenig mehr über den einsetzenden regen gefreut, wenn er selber aus holz oder stein, oder seinetwegen auch aus gummi gewesen wäre, und nicht aus zucker.

funky jones zwo

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 14 Apr 2008 20:15

als es heute morgen an meiner tür klingelte und ich aufmachte, stand der alte mann mit den affen, dem ich erst kürzlich in köln begegnet war, vor mir. dieses mal jonglierte er nicht mit den affen. stattdessen saß einer der affen auf seiner schulter, während ein zweiter dem alten auf dem kopf hockte und wild vor sich hin gackerte. den dritten affen hielt der mann an der hand, als wäre er ein kleines kind. er wirkte sehr aufgeregt und sprang ständig am bein des mannes hoch und runter. (ich kenne mich mit affen zwar nicht sonderlich gut aus, aber ich glaube, es waren muränen.)
“hey. sie kenne ich doch”, sagte ich zu dem affenmann, der daraufhin bestätigend nickte. “sie jonglieren doch in der roonstraße mit affen.”
“und nicht nur dort”, meinte der alte mann. “eigentlich überall. wo ich grad bin.” er grinste.
obwohl er mich zwar durchaus freundlich anschaute, war er mir irgendwie nicht geheuer. vielleicht lag es an seinem überdurchschnittlich kleinen kopf, der auch zu einem seiner affen hätte gehören können.
“wie kann ich ihnen denn helfen?”, fragte ich ihn, und er sagte nur:
“funky jones zwo, huhu. let’s go. gogogo”, und der affe zu seinen füßen machte drei schnelle salti hintereinander, bevor er an dem mann hoch kletterte, auf der freien schulter platz nahm und mir etwas entgegen streckte. keine ahnung, wo er das plötzlich her hatte, jedenfalls glaubte ich meinen augen nicht zu trauen. der affe umklammerte mit seinen winzigen affenhändchen mein portemonnaie, das ich schon seit einigen tagen vermisste.
“oh. mein… portemonnaie”, sagte ich, während die drei affen vor freude gackerten und kreischten. als auch der affenmann plötzlich begann, affenartige geräusche von sich zu geben, war ich ein wenig irritiert. “das… das ist sehr nett von ihnen. ich… muss es wohl verloren haben. kann ich ihnen und ihren affen etwas anbieten, fleischwurst vielleicht?”
“affen vertragen keine fleischwurst”, sagte der affenmann, als hätte ich das wissen müssen. “wenn meine affen fleischwurst essen, würden sie qualvoll sterben. und bevor sie das tun, laufen sie amok, beißen alles, was nicht bei drei auf den bäumen ist. und wenn sie alles gebissen haben, was nicht bei drei auf den bäumen ist, klettern sie auf die bäume, um alles zu beißen, was sich auf den bäumen befindet”, erklärte er ernst. “und glauben sie mir, von einem rasenden affen gebissen zu werden, ist nicht lustig.”
der affe auf dem kopf des mannes zeigte mir in diesem moment seine blanken zähne, und ich wich unweigerlich ein stück vor ihm zurück.
“das… das kann ich mir vorstellen.” ich überlegte schnell, was ich sonst noch im haus hatte, nicht sonderlich viel. “wollen sie vielleicht ein paar nüsse? oder tiefkühlpizza hätte ich auch noch da.”
“nein. nein, vielen dank”, meinte der alte mann, bevor er etwas zu seinen affen sagte, das ich nicht verstand. anders als die muränen, die sofort von ihm runter und dann um ihn herum sprangen, während er sich langsam umdrehte und eine hand zum abschied hob. “ich habe mir schon etwas genommen.”
oh, verdammt, schoss es mir durch den kopf. dieser blöde affe hatte sicher mein gesamtes bargeld als finderlohn eingesackt. ich jedenfalls hätte es so gemacht.
ich öffnete meine geldbörse, um nachzusehen, doch das geld war noch da. lediglich das bild von gombo, meinem fruchtjoghurt, das ich immer bei mir trug, fehlte.
hm, seltsamer kerl, dachte ich kopfschüttelnd, während dieser schon nicht mehr zu sehen war und nur noch das affenartige gegacker zu hören war. was für ein seltsamer kerl.

ladies nach einem kurzen toilettengang

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Fr 11 Apr 2008 19:17

herr bandini und ich, in einer bar in köln. (wie es wirklich war.)

“herr bandini”, sagte ich, “ich mache das jetzt.”
meine stimme war unkontrolliert laut, was wohl an dem überdurchschnittlich hohen anteil alkohol in meinem blut lag. dieser ließ es auch nicht zu, dass ich mit meinen augen – ansonsten die eines adlers – einen punkt im raum oder herrn bandini fixieren konnte. alles wirkte irgendwie verschwommen und war ständig in bewegung, kreiste pausenlos um mich herum. ich musste mehrere male kurz aufstoßen, wofür ich mich aber sofort entschuldigte.
“das ist vielleicht keine so gute idee”, meinte herr bandini und wirkte vollkommen nüchtern. kein wunder, schließlich nippte er schon den ganzen abend an einem glas wasser.
ich nahm einen weiteren großen schluck bier und dachte gar nicht daran, auf wasser umzusteigen oder meine idee aufzugeben.
“quatsch”, brüllte ich, da mich herr bandini sonst durch den ganzen qualm und lärm, der uns umgab, nicht gehört hätte. “die idee ist klasse”, behauptete ich voller überzeugung. “ich… ich werde die drei jetzt ansprechen. auf der stelle.”
aus dem augenwinkel glaubte ich erkennen zu können, wie herr bandini kurz seine schultern hob und jemanden links von mir verlegen anlächelte, so als würde er sich für etwas entschuldigen. dann wandte er sich mir zu.
“du bist betrunken”, sagte er nüchtern.
“mag sein”, gab ich zu.
“in deinem zustand solltest du nur noch mit personen reden, die dich kennen. und die dich mögen.” herr bandini machte eine pause. “außerdem wissen die mädels ohnehin schon längst, dass du sie gleich ansprechen willst.”
hm, überlegte ich, warum sollten sie? nur weil sie direkt neben uns sitzen, am gleichen tisch?
“hey.” ich drehte mich ruckartig zu der jungen dame neben mir um, wobei mein kopf gegen ihre schulter stieß. “weißt du schon, dass ich dich gleich ansprechen werde?”, brüllte ich ihr ins ohr, ein wenig lauter als beabsichtigt.
die junge frau rückte ein stück von mir weg, verzog ihr hübsches gesicht und nickte.
“oh”, meinte ich und schwang meinen kopf wieder in herrn bandinis richtung. “sie muss uns belauscht haben”, vermutete ich. “sie weiß schon, dass ich sie gleich ansprechen werde.”
herr bandini schüttelte den kopf.
“was?”, fragte ich ihn, als eine der drei mädels – ich glaube, es war die in der mitte – plötzlich tierisch laut flüsterte: “also ich finde ihn ziemlich niedlich.”
ich grinste sofort in die richtung, aus der das laute flüstern kam. da ich augenscheinlich ziemlich niedlich bin, konnte sie eigentlich nur mich meinen.
“ich finde dich auch niedlich”, brüllte ich so laut ich konnte der jungen dame neben mir ins ohr, dummerweise der falschen. “oh, nicht dich”, stellte ich sofort klar, “obwohl… hässlich bist du ja auch nicht. du… du hast echt tolle haare und zierliche ohren. wundervoll duftende ohren… ähm, ich meine, duftende haare. wundervoll. und deine brüste… aua, verdammt.”
ich rieb mir die schmerzende stelle an meinem rechten bein, während herr bandini mich nur unschuldig ansah. ich war mir ziemlich sicher, dass er es war, der mir gegen das schienbein getreten hatte. vermutlich war er eifersüchtig auf mich, dem niedlichen womanizer, dem die schnecken hier quasi aus der hand fraßen, während er nur schweigend sein wasser schlürfte.
da sich die fünf liter bier in meiner blase langsam bemerkbar machten, beschloss ich, die konversation mit den drei ladies nach einem kurzen toilettengang fortzusetzen. ich stand auf, zog meinen bauch ein und ging ohne ein wort zu sagen aufs klo.

als ich zurück kam, fehlte vom herrn bandini und den drei mädels jede spur.
ich betrachtete schweigend den verlassenen tisch, als mich etwas an der schulter berührte.
“dein kumpel hat schon bezahlt”, meinte der kellner und versuchte, sich an mir vorbei zu quetschen.
“ist er… er ist doch nicht etwa…?”
“doch, der ist mit den mädels, die hier saßen, weitergezogen. richtung frankfurt, meinte er. aber er wünscht dir noch einen schönen abend.”
“noch einen schönen… abend?!”
“ach, und ich soll dir von ihm ausrichten, dass du nicht so viel trinken sollst”, sagte der kellner, bei dem ich mir umgehend noch drei große bier bestellte, bevor ich mich wieder an den leeren tisch setzte.
als das bier nach dreißig sekunden immer noch nicht vor mir stand, torkelte ich aus der bar. ich war niedergeschlagen und aufgebracht zugleich.
“herr bandini”, rief ich in die nacht hinaus und streckte meine faust in den himmel (es donnerte). “das war nicht fair von dir, hörst du. ganz und gar nicht fair.”

auf dem weg nach hause begegnete ich einem alten mann, der mit affen jonglierte.

dem ahnungslosen hamster

es schrub christian s. in sehr geehrter fragensteller — christian s. Di 8 Apr 2008 20:36

wie fange ich einen hamster ein?

sehr geehrter fragensteller. das hängt natürlich ganz davon ab, um was für einen hamster es sich handelt. haben sie es beispielsweise mit einem aramäischen riesenhamster zu tun, empfehle ich ihnen ein handelsübliches lasso, das sie geschickt über den riesigen kopf des baumgroßen nagers werfen und zuziehen, bevor der hamster das weite suchen kann. kommen sie aber nicht auf die idee, das seil alleine festhalten zu wollen. mindestens zwei, besser aber drei kräftige männer sollten sie an ihrer seite haben, oder der riesenhamster schleift sie mit sich in seine höhle oder bunkert sie mal eben in seiner backentasche.
sollten sie im umgang mit dem lasso nicht ganz so geübt sein oder gerade nicht zwei (oder drei) kräftige kerle zur hand haben, können sie sich auch einfach ein gewehr und einige betäubungspfeile besorgen, mit denen sie den riesenhamster dann ins land der träume schicken.
das gewehr mit den pfeilen sollten sie auf jeden fall verwenden, wenn sie einen säbelzahnhamster fangen wollen. säbelzahnhamster sind zwar nicht ganz so groß wie riesenhamster, haben dafür aber verteufelt scharfe zähne, mit denen sie gliedmaßen durchbeißen können als wären es mohrrüben. ich habe schon einige, zum teil sehr erfahrene hamsterjäger gesehen, die arme und beine bei der jagd auf diese ungemein gefährlichen tiere verloren haben, und würde ihnen daher davon abraten.
wenn sie hingegen einen stinknormalen gold- oder gar einen zwerghamster einfangen wollen, tun sie sich keinen zwang an. das ist nicht nur völlig ungefährlich, sondern auch kinderleicht. hier reicht oftmals schon ein einfacher schuhkarton, den sie geschickt über dem ahnungslosen hamster fallen lassen, oder eine mausefalle.

im gegensatz zu olaf

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 7 Apr 2008 19:44

“gestern habe ich eddie mit den frisbeehänden getroffen.”
“der anstatt richtigen händen frisbeescheiben als hände hat?”
“genau der. deswegen heißt er ja auch eddie mit den frisbeehänden.”
“ja, klar. den kenne ich. wie geht’s ihm denn so?”
“ich glaube, es ging ihm schon mal besser. ich war gestern mit den jungs im park frisbee spielen, als er vorbei kam und mitspielen wollte. er hat dann ein paar mal versucht, seine frisbeehände zu werfen, aber da der rest von ihm an den scheiben hängt, ist er immer nur ein kurzes stück weit geflogen und hat dann irgendwann frustriert aufgehört.”
“oh. das muss für ihn wirklich bitter gewesen sein.”
“war es sicher auch. wir haben dann aus rücksicht auf ihn einfach so getan, als ob uns das frisbee spielen keinen spaß machen würde.”
“und, hat er euch das abgekauft?”
“ich glaube nicht. na ja. morgen wollen wir uns dann alle zum fußball spielen treffen. fußball spielt er ja ziemlich gut.”
“das stimmt. im gegensatz zu olaf mit den fußballfüßen.”
“den haben wir gar nicht erst gefragt.”

definitiv, ja

es schrub christian s. in lesungen — christian s. Sa 5 Apr 2008 00:53

“ist die maulwurfwoche jetzt wirklich vorbei?”
“definitiv, ja.”
“und was ist mit der lesung in köln?”
“die ist noch nicht vorbei. die ist am 01.06.2008.”
“ach so, gut. und die in ginsheim, ist die vorbei?”
“nein. die ist erst am 28.06.2008.”
“darf ich eigentlich auch zu beiden kommen?”
“aber ja, natürlich. jeder darf zu beiden kommen. der herr schoss und ich, wir müssen sogar.”

phodopus sungorus (57)

es schrub christian s. in phodopus sungorus — christian s. Mi 2 Apr 2008 20:44

“hey, du. kleiner dsungarischer zwerghamster. was machst du da?”
“ich grabe ein loch.”
“aha. und dann?”
“dann klettere ich in das loch und grabe einen tunnel.”
“und was machst du, wenn du auf einen maulwurf triffst? die sollen ja ziemlich gefährlich sein.”
“der gefährlichste maulwurf ist nicht halb so gefährlich, wie der friedliebendste hamster.”
“oh. das wusste ich nicht.”
“und ich… ich bin alles andere als friedliebend.”
“verstehe.”
“aber ich bin auch niedlich. niedlich und gefährlich zu gleich, das bin ich.”
“hm. jetzt erinnerst du mich doch tatsächlich an meine ex, kleiner zwerghamster. und ich weiß wirklich nicht, wie ich das finden soll.”

mit vielen bunten blumen

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 1 Apr 2008 20:11

“was für eine wiese”, sagte sir lancelot und mähte, weil er ein schaf war und schafe das für gewöhnlich bei jeder gelegenheit tun.
“eine blumenwiese”, mähte elaine, denn sie war ebenfalls ein schaf, nur wesentlich hübscher als sir lancelot, der selbst für ein schaf ziemlich verbogene beine hatte, als hätte jackie chan höchstpersönlich ihm diese mehrmals gebrochen (was jackie vermutlich niemals tun würde, denn er mag schafe eigentlich ganz gerne). “mit vielen bunten blumen”, sagte elaine.
“und jeder menge schmackhaftem gras”, ergänzte sir lancelot, der für blumen nicht sonderlich viel übrig hatte.
“das stimmt”, schmatzte elaine, die sich gerade davon überzeugte, dass das gras tatsächlich schmackhaft war. “das ist wirklich überaus schmackhaftes gras. ich glaube sogar, ich habe noch nie so schmackhaftes…”
“ach du schande, elaine.”
“was?”
“dort drüben. ich glaube, da… da ist ein kleiner hügel.”
elaine fiel vor schreck halbzerkautes gras aus dem maul, als sie den kleinen haufen erde nur wenige meter vor sich entdeckte. “dann… dann wird der maulwurf sicher auch nicht weit sein”, flüsterte sie, da sie fürchtete, der maulwurf könnte sie hören.
sir lancelot konzentrierte seinen blick auf den erdhügel.
“ich… ich glaube, ich habe gerade seinen kopf gesehen”, befürchtete er.
“vielleicht beobachtet er uns?”, sagte elaine so leise, dass nicht einmal sir lancelot sie hörte.
“was hast du gesagt?”, fragte dieser.
“vielleicht… vielleicht beobachtet er uns?”, wiederholte elaine etwas lauter.
“nein. dann hätte er uns sicher schon getötet”, sagte sir lancelot, während er langsam rückwärts ging, wobei er den maulwurfshügel nicht aus den augen ließ. “verschwinden wir besser von hier, bevor er uns bemerkt.”
“schon dabei”, sagte elaine und machte einen schritt zurück, als sie plötzlich hinter sich eine stimme hörte.
“hallo”, sagte diese, und die beiden schafe verharrten in ihren bewegungen. sie brauchten sich nicht umzudrehen, um zu wissen, wem diese stimme gehörte. “wenn ihr wollt, zeige ich euch meine tunnel.”
dem maulwurf huschte ein lächeln über das verschrumpelte gesicht, als sir lancelot und elaine anfingen, zu laufen, als wäre der teufel persönlich hinter ihnen her. doch der maulwurf, der wie es der zufall wollte herr teufel hieß, machte keine anstalten, den beiden zu folgen.
ein anderes mal, dachte er nur, ich habe heute ohnehin schon genug gegessen… zwei hasen, ein wildschwein und einen halben elefanten. herr teufel rieb sich seinen kugeligen bauch, schnappte sich seine kleine schaufel und begann, den boden vor sich umzugraben. schließlich hatte er noch viel zu tun.

"wie sonderbar", sprach der mann in meinem kopf, rieb sich kurz seine nase und machte einen purzelbaum.