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ein halbes jahr bestimmt schon

es schrub christian s. in hallo kleiner junge — christian s. Mo 30 Nov 2009 16:14

als ich heute morgen den schrank öffnete, saß ein kleiner junge zwischen meinen klamotten und verzog sein gesicht zu einer grauseligen fratze, gab seltsame schnarkengeräusche von sich und machte obszöne gesten mit seiner zunge. da ich am frühen morgen nicht mit so etwas gruseligem gerechnet hatte, erschrak ich mich fürchterlich, berappelte mich aber schnell wieder und fragte den kleinen jungen:
“hallo, kleiner junge. sag, warum hast du mich so erschreckt?”
“ich bin kein kleiner junge”, behauptete der kleine junge und machte wieder dieses seltsame schnarkengeräusch, wahrscheinlich um seinen worten nachdruck zu verleihen. “ich bin ein monster.”
“oha, ein monster”, wiederholte ich ungläubig. “in meinem schrank?!”
“ja, hier wohne ich”, sagte der kleine junge, bevor er mit seinen kleinen, spitzen und vermutlich ziemlich scharfen zähnen nach meiner hand schnappte, sie aber – wenn auch nur knapp – verfehlte.
“das ist ja ein ding”, fand ich und machte sicherheitshalber einen schritt zurück. “aber sehr lange wohnst du noch nicht in meinem schrank, oder?”
“naja, ein halbes jahr bestimmt schon.”
“ach was!? ich habe dich hier noch nie gesehen”, meinte ich, während ich vorsichtig nach meinem grünen lieblings-pullover griff und diesen überstreifte. “na, wie dem auch sei. ich wünsche dir noch einen schönen tag, kleiner junge.”
“ich bin ein monster”, fauchte der kleine junge, doch da hatte ich die schranktür schon längst wieder zugeschlagen.

jeden tag einen frischen kuchen

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 26 Nov 2009 14:30

halten sie sich fest, ich bin vor kurzem unter die kuchenbäcker gegangen.

wie oft habe ich schon vor unerwartetem besuch “tt’ ich dich heut’ erwartet, hätt’ ich kuchen da” singen müssen? ach, viel zu oft. und da mir das immer ziemlich unangenehm, ja geradezu peinlich war, so unvorbereitet meinen gästen gegenüber zu stehen und alberne lieder zu singen, habe ich beschlossen, jeden tag einen frischen kuchen zu backen. da ich leider kein allzu guter kuchenbäcker bin und so ein marmorkuchen beispielsweise erst im fünften oder sechsten versuch halbwegs wie ein marmorkuchen aussieht, geht das ziemlich ins geld und nimmt auch recht viel zeit in anspruch. aber was tut man nicht alles für seine gäste. die sind in letzter zeit übrigens weniger geworden. sie fanden meinen kuchen zwar immer sehr geschmacksintensiv, wie sie meinten, wollten aber nie mehr als ein stück, das sie dann noch nicht einmal aufgegessen haben. naja, so bleibt halt mehr für den postboten, dem ich immer ein stück oder zwei mitgebe.
hm, der postbote … der war jetzt auch schon eine ganze weile nicht mehr hier, fällt mir gerade auf. hoffentlich ist ihm nichts passiert.

‘nen teller gemalt

es schrub christian s. in lesungen — christian s. Mo 23 Nov 2009 13:39

“… dann kriegt er ‘nen teller gemalt, der voller blut gespritzt ist”, sagt die wunderbare frau von aichberger (aka @frauenfuss) im deutschen fernsehen, und ich freue mich. fast so dolle wie auf ihre ausstellung “ich male meine follower”, die vom 12. dezember 2009 bis zum 02. januar 2010 im kulturbunker köln-mühlheim zu bewundern sein wird, wo ich am 12.12. auch den ein oder anderen text lesen werde – wenn es gut läuft, sogar einigermaßen fehlerfrei. also lassen sie sich das nicht entgehen. die ausstellung sowieso nicht.

kulturbunker köln-mülheim
12. dezember: vernissage mit lesungen

12. dezember 2009 – 2. januar 2010
berliner straße 20
51063 köln

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derGrob

phodopus sungorus (76)

es schrub christian s. in phodopus sungorus — christian s. Do 19 Nov 2009 11:43

“hey, du. kleiner dsungarischer zwerghamster. was machst du da?”
“ich spiele cowboy und indianer.”
“das kann man allein spielen?”
“yep. allerdings nur, wenn die identität dissoziativ gestört ist.”
“seit wann leidest du denn unter einer multiplen persönlichkeitsstörung?”
“das kann ich dir sagen. seitdem du mich gestern fallengelassen hast.”
“oh. und … bist du gerade ein indianer oder der cowboy?”
“weder noch. im moment bin ich eine kuh. muuuhh.”

anders als der kleine frosch

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 16 Nov 2009 15:11

als ich letzte woche durch die stadt spazierte, wurde ich von einem fernsehteam angesprochen. eine frau mit mikrofon und blonden haaren wollte von mir wissen, was ich denn vor zwanzig jahren, an dem tag, als die mauer fiel, so gemacht habe.
“oh, das weiß ich noch ganz genau”, meinte ich und lächelte charmant, denn der mann, der neben der blonden frau stand, hatte seine kamera auf mich gerichtet. “ich habe ein gedicht geschrieben”, sagte ich in die kamera, “das vielleicht schönste gedicht, das ich je verfasst habe. und das ging so:
hasen tanzten um die wette,
tanzten wild und tanzten lang.
kam ein kleiner frosch vorbei,
hüpfte, sprang und sang
ein lied.
doch die hase wurden müde,
anders als der kleine frosch.
der sang weiter, lauter, sch…

“das ist wirklich ein sehr schönes gedicht”, unterbrach mich die frau mit dem mikrofon, gab ihrem kameramann ein kurzes zeichen, drehte sich um und sprach einen anderen passanten an, während mich das seltsame gefühl beschlich, dass ihr mein gedicht vielleicht doch nicht gefallen hatte.
egal, dachte ich. so würde sie auch nicht erfahren, dass ich, nachdem ich das gedicht fertig geschrieben hatte, spontan nach berlin gefahren war, um dort in meiner schwarzen lederjacke mit den tausend lämpchen für alle deutschen “looking for freedom” zu singen, was alles in allem ziemlich gut ankam.

auf meinen schultern nach unten

es schrub christian s. in hallo kleiner junge — christian s. Mi 11 Nov 2009 11:24

als ich heute morgen die wohnungstür öffnete, saß ein kleiner junge auf meiner fußmatte und hielt sich seine blanken füße, die voller blasen und ziemlich schmutzig waren. eine träne kullerte langsam seine wange hinunter. also fragte ich den kleinen jungen:
“hallo, kleiner junge. sag, warum weinst du denn?”
“der fahrstuhl”, sagte der kleine junge. “er ist kaputt.”
“oh, ja. der ist tatsächlich kaputt”, bestätigte ich ihm. “schon seit drei tagen.”
“seit drei tagen”, wiederholte der kleine junge und fing noch lauter an zu weinen.
“aber das ist doch nicht schlimm”, versuchte ich ihn zu beruhigen. “wenn du magst, werde ich dich auf meinen schultern nach unten tragen.”
der kleine junge hörte augenblicklich auf zu weinen und freute sich stattdessen sehr über mein angebot. er schien seine schmerzenden füße völlig vergessen zu haben und tanzte um mich herum, bevor er vor mir auf die knie fiel, meine füße, die ebenfalls ein wenig schmutzig waren, küsste und sich bei mir bedankte, immer und immer wieder. als er sich irgendwann beruhigt hatte, trug ich den kleinen jungen auf meinen schultern nach unten.
“mach’s gut, kleiner junge”, verabschiedete ich mich von ihm, während ein überaus kleiner mann mit piratenhut, verteufelt dicken brillengläsern und mit sichtlich viel wut im bauch säbelrasselnd an mir vorbei lief.

unten leuchten wir

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 9 Nov 2009 14:26

“ich gehe mit meiner laterne und meine laterne mit mir”, summte herr nikolai vor sich hin, als ihm plötzlich auffiel, dass er ja noch gar keine laterne hatte. also ging herr nikolai, der sehr stark war, zur nächsten straßenlaterne, umfasste sie mit seinen mächtigen händen, rüttelte erst kurz an ihr, bevor er sie schließlich ohne große mühe aus dem boden riss.
“da oben leuchten die sterne”, sang er vor sich hin, während er seinen weg fortsetzte, “hier unten leuchten wir.”

“hast du … hast du das gesehen?”, flüsterte simon in meine richtung, “ich werd’ verrückt.”
“vielleicht sollten wir ihm sagen, dass der martinstag erst am mittwoch ist”, überlegte ich laut, während der riese von einem mann nur wenige meter vor uns stehen blieb, die straßenlaterne in die luft streckte und mit tiefer, monströser stimme lauthals sang: “mein licht ist schön, könnt ihr es sehn. rabimmel, rabammel, rabumm.”
“oder wir … wir lassen ihn einfach in ruhe”, beschloss ich kurzerhand und zog simon, der wie gebannt den riesenmann beobachtete, von diesem weg.

kein stummer diener

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 5 Nov 2009 13:10

ich hätte simon nicht davon erzählen sollen, dass ich früher mal einen stummen diener hatte und es eigentlich ganz praktisch fand, meine klamotten abends einfach über diesen zu werfen, anstatt sie fein säuberlich in den schrank zu hängen. dann hätte er mich sicher nicht heute morgen angerufen und mir offenbart, dass er da etwas für mich hat. “bist du gleich zu hause?”, fragte mich mein freund, und da ich nichts vorhatte und mir auf die schnelle auch keine gute ausrede einfiel, sagte ich ihm, dass ich das wäre. keine dreißig minuten später klingelte es an meiner tür.
“was zum geier …?!”
“ich habe dir einen stummen diener besorgt”, sagte simon und klopfte dem älteren herren, der neben ihm stand und ausdruckslos an mir vorbei starrte, auf die schmächtige schulter.
ich betrachtete den alten, der in einem viel zu großen anzug steckte, weiße handschuhe trug und alles in allem nicht mehr ganz so fit wirkte. “das … das ist kein stummer diener”, stammelte ich, woraufhin mein freund nur grinsend den kopf schüttelte.
“na, und ob das ein stummer diener ist”, meinte simon. “mein onkel alfred hier hatte vor einem halben jahr einen schlaganfall und bringt seitdem kein wort mehr raus.”
“dein onkel … alfred!?”
“das ist sein name”, bestätigte simon, während sein onkel sich schwerfällig in bewegung setzte und schweigend an mir vorbei, direkt in mein schlafzimmer trottete, wo er anfing, bettdecke und kissen auszuschütteln. als er damit fertig war, sammelte er stumm die wäsche der letzten tage vom boden auf.
“so, ich muss dann mal weiter”, verabschiedete sich simon, während ich gar nicht erst versuchte, gegen meine schockstarre anzukämpfen und alfred fassungslos dabei beobachtete, wie er meine schmutzigen sachen fein säuberlich nach bunt- und kochwäsche sortierte.

phodopus sungorus (75)

es schrub christian s. in phodopus sungorus — christian s. Mo 2 Nov 2009 12:57

“hey, du. kleiner dsungarischer zwerghamster. was machst du da?”
“ich lösche mein gedächtnis aus.”
“mit einem magneten!? und das funktioniert?”
“ich denke schon.”
“warum willst du dir überhaupt das gedächtnis auslöschen?”
“das ist eine gute frage. eben habe ich es noch gewusst.”

"wie sonderbar", sprach der mann in meinem kopf, rieb sich kurz seine nase und machte einen purzelbaum.