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mit viel wodka jeder kann tanzen

es schrub christian s. in lesungen — christian s. Do 29 Apr 2010 21:11

“sie haben etwas gut bei mir”, sagte ich zu frau lopokova, die in der wohnung im erdgeschoss wohnte, und ich hätte sie glatt auf die wange geküsst, wenn diese nicht so behaart gewesen wäre. “vielen, vielen dank.”
ich nahm die kondome aus sackleinen entgegen und verabschiedete mich freundlich.

heute morgen stand frau lopokova vor meiner tür.
“habe was gut bei ihnen”, meinte sie und lächelte mich an. da ihr die meisten zähne fehlten und die, die sie noch hatte, nur noch braune stumpen waren, wirkte ihr lächeln allerdings nicht sehr charmant.
“das … äh, stimmt”, gab ich zu und versuchte, mich nicht von ihrem zahnlosen mund und den behaarten wangen irritieren zu lassen.
“am 15. mai”, fuhr meine nachbarin fort, “sein in grundschule russischer tanzabend. und sie mich begleiten.”
“uh, tanzen?! ich … ich bin ein sehr schlechter tänzer”, log ich ihr ins behaarte gesicht.
“wir dabei trinken wodka”, sagte sie, “viel wodka. mit viel wodka jeder kann tanzen russischen tanz.”
verdammt, da ist mit sicherheit was dran, dachte ich, als mir plötzlich einfiel, dass ich an diesem abend gar nicht konnte, selbst wenn ich wollte. “mir fällt gerade ein”, sagte ich daher, “dass ich an diesem abend in oberhausen bin und vor leuten lesen werde. da kann ich nicht absagen, tut mir leid.”
frau lopokova lächelte mich weiter unheimlich an. “ah, das gar nichts machen. nächster russischer tanzabend sein am 29. mai. da wir trinken wodka und tanzen wild. und vielleicht wir danach machen noch…”
“uh”, unterbrach ich sie gerade noch rechtzeitig, “da werde ich in köln lesen, wahrscheinlich zum allerletzten mal.”
“zu letzten mal”, wiederholte frau lopokova, und ich nickte nur. “das sein gut”, fand sie, “sie dann nicht lesen am 12. juni.”
“das … ähm, stimmt”, gab ich zu, während mir der schweiß aus den ohren floss. “da habe ich noch nichts vor.”
“dann sie jetzt haben was vor”, lachte frau lopokova, und auch ich lachte, doch klang es sehr verzweifelt.

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JourFitz_Oberhausen

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JourFitz_Koeln

ein rasierter orang-utan auf koks

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 26 Apr 2010 21:08

“hast du eigentlich von diesem geisteskranken nudisten gehört, der am vergangenen dienstag wie ein rasierter orang-utan auf koks durch den supermarkt geturnt ist? der hat sich anscheinend für unsichtbar gehalten und allerlei schräges zeug angestellt. hat sich in die einkaufswagen alter frauen gesetzt, sich und andere mit mehl überschüttet und versucht, mit kohl zu jonglieren. bis die polizei ihn durch den halben supermarkt gejagt hat und schließlich auf die käsetheke treiben konnte, von der er unglücklich gestürzt ist. dabei hat er sich wohl ziemlich schlimm am kopf verletzt.”
“ich … habe von ihm gehört”, sagte ich zu simon, der einen dicken verband um seinen ziemlich schlimm verletzten kopf gewickelt hatte. “nur gut, dass dieser nackte orang-utan nicht durch meine wohnung geturnt ist.”
“uhahuuhuuu”, lachte simon. “eine gruselige vorstellung.”
“o ja”, meinte ich nur, “das ist wirklich eine gruselige vorstellung.”

doch ich schrie nur

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 22 Apr 2010 21:03

“hallo, ich heiße carl”, sagte der blutegel, der sich an meinem piephahn festgesaugt hatte, doch ich schrie nur.
“ich hoffe es stört sie nicht, wenn ich hier eine weile hängen bleibe und ein wenig von ihrem nektar nasche”, meinte er, doch ich schrie nur.
“schön gemütlich, ist es hier”, fand der egel, doch ich schrie nur.
“viel gemütlicher als dort, wo ich herkomme”, ließ er mich wissen, doch ich schrie nur.
“es kann gut sein, dass ich doch noch ein weilchen länger bleibe”, überlegte der ringelwurm, doch ich schrie nur.
“natürlich nur, wenn sie nichts dagegen haben”, meinte er, doch ich hatte was dagegen.
also riss ich ihn schreiend ab und schleuderte ihn gegen die wand, bevor ich weinend zu boden sank.

hagere elfe mit glied

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 20 Apr 2010 21:17

“huhuuu, ich bin unsichtbar”, meinte simon, während er wie ein krankes reh auf zwei beinen an mir vorbei in meine wohnung sprang. ich schloss schnell die tür hinter ihm und hoffte, dass ihn keiner meiner nachbarn gesehen hatte. mein freund war splitterfasernackt.
“scheiße, simon. was soll das?”, fragte ich, als er in gebückter haltung um mich herum schlawinerte. doch mein freund lachte nur.
“du siehst mich gar nicht”, behauptete er und begann, mit seinen händen vor meinen augen herumzuwedeln, “hörst nur meine stimme, huhuu.”
“ich sehe leider mehr, als mir lieb ist”, sagte ich, doch mein freund ignorierte meine worte einfach.
“ganz schön gruselig, oder?”, fand er.
“das ist in der tat ganz schön gruselig”, stimmte ich ihm zu. “ich frage mich, wie ich jemals dieses fürchterliche bild aus meinem kopf bekommen soll.”
“hahaa”, machte simon wie ein wahnsinniger, und: “huhuuhuuuu.” er simulierte mit seinen ebenso dürren wie sichtbaren armen eine windmühle, bevor er sich schließlich die fernbedienung meines fernsehers schnappte, sie in die höhe hielt und mit ihr durch das wohnzimmer stolzierte. “huu. es sieht aus, als würde die fernbedienung schweben”, behauptete mein augenscheinlich dem wahnsinn verfallener freund, “doch in wirklichkeit halte ich sie fest in meiner hand.”
“was du nicht sagst.”
“haahaaa. und gleich werde ich in den supermarkt gehen und lebensmittel durch die gänge schweben lassen. hu, das wird ein spaß.”
“das, mein freund, würde ich an deiner stelle besser nicht tun”, riet ich ihm. “ich sag’s ja nur ungern, aber ich kann dich eigentlich ziemlich gut sehen. und das liegt sicher nicht an meinen außergewöhnlich guten augen.”
simon blieb vor mir stehen und blickte mich eine weile mit ausdruckslosem gesicht an.
dann fing er plötzlich an, breit zu grinsen. “beinahe”, lachte er und zwinkerte mir zu, “beinahe hätte ich dir das abgekauft.”
als er aus meiner wohnung hüpfte und dabei wie eine hagere elfe mit glied aussah, da war ich mir ziemlich sicher: schon bald würde man meinem freund eine unangenehm enge weste anlegen, aus der sich auch unsichtbare nicht befreien können. aber wenigstens, dachte ich bei mir und ließ die tür ins schloss fallen, hat er dann etwas an.

denn mineralien sind sehr gesund

es schrub christian s. in lesungen — christian s. Mi 14 Apr 2010 21:33

ich fuhr heute morgen mit der bahn zur arbeit. dort trank ich viele tassen kaffee aber auch mineralwasser, denn mineralien sind sehr gesund. kaffee nicht so sehr. als ich mit meiner arbeit fertig war, fuhr ich zurück nach hause. wieder mit der bahn. (ich habe ein monatsticket.) ende.

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okay, ich gebe es zu. die geschichte ist nicht sehr gut. lassen sie sich aber nicht davon abschrecken und kommen sie am samstag trotzdem zur lesung nach berlin. und am 15.05. zur lesung nach oberhausen. und am 29.05. zur lesung nach köln. und ich verspreche ihnen, ich werde den obigen text nicht lesen. (vielleicht aber singen.)

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jour fitz / der taubenvergrämer lässt bitten
st. oberholz / rosentahler str. 72a / 10119 berlin
17. april 2010 / 20:00 uhr

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JourFitz im St. Oberholz

angst vor dem bulldozermann

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 12 Apr 2010 22:04

“das machen sie sehr gut”, lobte mich frau schnauber, die versuchte, mir und drei weiteren lernwilligen, unter anderem meinem freund simon, das töpfern von babyelefanten beizubringen.
das mache ich nur, um ein date mit dir zu bekommen, dachte ich, grinste verschmitzt und sagte: “sie sind ja auch eine sehr gute lehrerin”, woraufhin frau schnauber ein klein wenig errötete und schüchtern lachte.
“ich kotze gleich”, murrte simon gerade so laut, dass nur ich ihn verstehen konnte, wobei ich nicht wusste, ob sich sein kleiner emotionaler ausbruch auf mich und meinen gelungenen flirtversuch oder auf das missratene stück babyelefant in seinen händen bezog.
ich beschloss, meinen freund zu ignorieren. “hätte ich damals in der schule so gute lehrer gehabt”, lachte ich, “wäre aus mir sicher auch etwas geworden.”
ich war mir sicher, die frau bereits um den kleinen finger gewickelt zu haben, als simon plötzlich aufsprang. “scheiße. verdammte scheiße, kacke. kackenscheiße”, fluchte mein sonst so ausgeglichener freund und pfefferte das nasse stück ton durch den halben raum, direkt gegen den kopf eines mannes, der mich an einen fleischgewordenen bulldozer erinnerte und aussah, als würde er in seiner freizeit eher mit bären ringen und nicht babyelefanten aus ton formen.
“oh”, meinte simon, während der bulldozermann sich schwerfällig erhob. seine langsamkeit wirkte unglaublich bedrohlich. “das … das tut mir leid.”
“ich glaube, das ist ihm egal”, meinte ich, packte simon, der wie festgetackert den auf sich zukommenden mann anstarrte, und zog ihn aus dem raum, wobei ich frau schnauber im vorbeigehen kurz lüsternd zuzwinkerte. “bis nächste woche. und dann ohne meinen freund hier”, versprach ich ihr, doch frau schnauber reagierte nicht. wahrscheinlich hatte auch sie angst vor dem bulldozermann.

phodopus sungorus (81)

es schrub christian s. in phodopus sungorus — christian s. Do 8 Apr 2010 20:56

“hey, du. kleiner dsungarischer zwerghamster. was machst du da?”
“ich lass es wie ein unfall aussehen.”
“oh, und was lässt du wie ein unfall aussehen?”
“das … äh, das kann ich dir nicht sagen.”
“wieso kannst du mir das denn nicht sagen?”
“na, wenn ich dir das jetzt sage, weißt du ja, dass es kein unfall war.”
“hm, da ist wohl was dran.”
“aber es hat nichts mit der toten kuh zu tun, auf der ich sitze.”
“uh, das ist eine kuh? sieht ja schlimm aus. ist die von einem auto überfahren worden?”
“äh… ja, war ein ganz böser unfall. mit fahrerflucht.”

neben diesem komischen blauen kerl

es schrub christian s. in hallo kleiner junge — christian s. Di 6 Apr 2010 23:07

als ich gestern abend meinen fernseher einschaltete, blickte mir ein kleiner junge aus diesem entgegen und winkte mir zu. ich winkte zurück, und als er anfing, von innen vorsichtig gegen die mattscheibe zu klopfen, fragte ich ihn:
“hallo, kleiner junge. sag, wie bist du in meinen fernseher gekommen?”
der kleine junge begann zwar, seine lippen zu bewegen, doch verstand ich kein wort von dem, was er mir erzählte.
oh, wahrscheinlich ist der arme kerl stumm, überlegte ich, während dieser seltsame handbewegungen machte, so als ob er mich auf etwas aufmerksam machen wollte. allerdings hatte ich keinen blassen schimmer, auf was, und so zuckte ich nur mit den schultern, während der kleine junge etwas ungeduldiger auf seine unsichtbare fernbedienung drückte.
fernbedienung? fernbedienung, hm… ja, natürlich.
ich schnappte mir meine fernbedienung und stellte den ton an meinem fernseher an.
“ich weiß auch nicht, wie ich hier reingekommen bin”, sagte der kleine junge, als ich ihn endlich hören konnte. “ich wollte nur die sesamstraße schauen, und plötzlich sitze ich neben diesem komischen blauen kerl, der mir erklären will, was drüber, drunter und durch bedeutet.”
“du meinst sicher grobi”, erinnerte ich mich an das blaue monster aus der sesamstraße. “na, das ist doch nett von ihm.”
“ja, schon. aber er erklärt es einem immer und immer und immer wieder.” der kleine junge schüttelte seinen kopf. “ich bin zwar ein kleiner junge”, meinte er, “aber ich bin nicht dumm.”
“du siehst auch nicht dumm aus”, pflichtete ich ihm bei, bevor mich der kleine junge fragte:
“kannst du mich hier vielleicht rausholen?”
“bestimmt”, sagte ich, ging zur abstellkammer, suchte und fand auch gleich meinen alten vorschlaghammer. “geh besser ein stück zurück”, empfahl ich dem kleinen jungen, der sich daraufhin von der scheibe entfernte, während ich ausholte.
mit voller wucht traf der gut 20 kg schwere eisenkopf des vorschlaghammers meinen fernseher, bevor er sich von dem holzstiehl löste und den gesetzen der schwerkraft nachgebend aufs parkett fiel, wo er in einem riesigen loch stecken blieb. “verdammt”, fluchte ich leise.
anders als mein parkettboden hatte der fernseher den schlag überraschenderweise unbeschadet überstanden. allerdings lag der kleine junge nun regungslos im fernseher und blutete ziemlich stark.
ich klopfte vorsichtig an die scheibe. “hallo, kleiner junge?! geht es dir gut?”, fragte ich ihn, doch der junge rührte sich nicht. sein kopf sah aus, als hätte ihn der vorschlaghammer volle möhre frontal erwischt. “oh, das tut mir leid”, entschuldigte ich mich bei ihm, “das wollte ich nicht”, und da mir auf die schnelle nichts besseres einfiel und ich ohnehin schon ziemlich müde war, schaltete ich den fernseher einfach aus.

"wie sonderbar", sprach der mann in meinem kopf, rieb sich kurz seine nase und machte einen purzelbaum.