ein halber liter suppe
“hast du etwa wieder mit pilzen experimentiert?”, fragte ich sven, der für pilze sehr viel übrig hat. er saß regungslos auf seinem sofa, als ich ihn heute morgen in seiner wohnung besuchte, starrte mit festgefrorenem grinsen auf einen halbvollen teller suppe und schwitzte wie ein ausgewachsener piemelbrüter, den man einmal um die halbe welt gejagt hatte. “hey, sven?! alles in ordnung mit dir?” ich wedelte mit einer hand vor seinem gesicht herum, bis er mich endlich bemerkte und mit zitternden augen anschaute. er sah aus, als hätte er für mehrere tage in ein stroboskob geschaut.
“klaro, gnihihi. alles in … ordnung”, lallte sven, als er mich schließlich erkannte. “aber du siehst voll komisch aus.”
“was, wie sehe ich denn aus?”, wollte ich von ihm wissen.
“wie ein … wie ein japanisches schulmädchen. ganz schön … sexy, irgendwie.”
“aha”, meinte ich nur, während sven plötzlich anfing, unkontrolliert zu sabbern.
“ich würde dir gerne deine schuluniform vom leib reißen”, offenbarte er mir, und ich sagte:
“ich würde meine schuluniform aber lieber anbehalten”, obwohl ich gar keine schuluniform trug.
“möchtest du vielleicht einen teller pilzsuppe?”, wechselte sven von jetzt auf gleich das thema, wofür ich ihm sehr dankbar war. “die ist wirklich … schmackhaft.” er machte wie zur bestätigung ein bäuerchen, woraufhin ihm ein halber liter suppe aus dem mundwinkel lief.
ich schüttelte angewidert den kopf. “ich … äh, habe schon gegessen”, log ich, bevor ich schnell ins bad flitzte, um meinem freund ein handtuch zu holen.


