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ein halber liter suppe

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mi 25 Feb 2009 20:57

“hast du etwa wieder mit pilzen experimentiert?”, fragte ich sven, der für pilze sehr viel übrig hat. er saß regungslos auf seinem sofa, als ich ihn heute morgen in seiner wohnung besuchte, starrte mit festgefrorenem grinsen auf einen halbvollen teller suppe und schwitzte wie ein ausgewachsener piemelbrüter, den man einmal um die halbe welt gejagt hatte. “hey, sven?! alles in ordnung mit dir?” ich wedelte mit einer hand vor seinem gesicht herum, bis er mich endlich bemerkte und mit zitternden augen anschaute. er sah aus, als hätte er für mehrere tage in ein stroboskob geschaut.
“klaro, gnihihi. alles in … ordnung”, lallte sven, als er mich schließlich erkannte. “aber du siehst voll komisch aus.”
“was, wie sehe ich denn aus?”, wollte ich von ihm wissen.
“wie ein … wie ein japanisches schulmädchen. ganz schön … sexy, irgendwie.”
“aha”, meinte ich nur, während sven plötzlich anfing, unkontrolliert zu sabbern.
“ich würde dir gerne deine schuluniform vom leib reißen”, offenbarte er mir, und ich sagte:
“ich würde meine schuluniform aber lieber anbehalten”, obwohl ich gar keine schuluniform trug.
“möchtest du vielleicht einen teller pilzsuppe?”, wechselte sven von jetzt auf gleich das thema, wofür ich ihm sehr dankbar war. “die ist wirklich … schmackhaft.” er machte wie zur bestätigung ein bäuerchen, woraufhin ihm ein halber liter suppe aus dem mundwinkel lief.
ich schüttelte angewidert den kopf. “ich … äh, habe schon gegessen”, log ich, bevor ich schnell ins bad flitzte, um meinem freund ein handtuch zu holen.

super sea-monkeys

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 23 Feb 2009 22:12

ich traf simon heute morgen im supermarkt, wo er einen voll bepackten einkaufswagen durch die gänge schob und einen zweiten hinter sich her zog.
“du lieber himmel, simon”, lachte ich. “was hast du vor? veranstaltest du etwa eine fressorgie, ohne mir bescheid zu sagen?”
mein freund blickte mich entnervt an. “nein. ich … ich habe mir letzte woche sm-pulver gekauft und see-äffchen gemacht”, grummelte er. “und jetzt fressen mir diese dinger die tapete von den wänden. sogar vor meinen vorhängen machen sie nicht halt.”
“was, wovon redest du?”
“ich rede von den super sea-monkeys”, sagte simon, wühlte kurz in seiner tasche und hielt mir schließlich einen zerknitterten zettel hin. “die hätten ruhig dazuschreiben können, dass diese viecher bis zu zwanzig zentimeter groß werden, ständig hunger haben und sich vermehren wie die teufel.”

seekuh mit kugelfischkopf

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 17 Feb 2009 20:52

“weißt du, an wen … an wen mich deine schwester erinnert?”, fragte ich joshi und schüttete mir den achten oder neunten whiskey runter. ich lächelte debil und wäre beinahe vom barhocker gefallen, als ich das leere glas vor mich auf den tresen stellen wollte. “deine schwester erinnert mich an eine … eine aufgequollene seekuh mit dem kopf eines explodierten kugelfischs”, lachte ich, denn ich fand die vorstellung an eine aufgequollene seekuh mit kugelfischkopf sehr komisch. ich schlug joshi, einem stets übelgelaunten russen mit militärhaarschnitt und recht ausdrucksstarken muskeln, die er meist unter einer bomberjacke versteckt hielt, auf den rücken und gab dem mann hinter der bar ein zeichen, mir noch einen einzuschenken.
“du damit sagen wollen, meine schwester sein hässlich wie neunzigjährige bauchtänzerin mit elephantiasis?”, sagte joshi mit russischem akzent, und ich grinste ihn besoffen an. obwohl er bestimmt dreimal so viel getrunken hatte wie ich, wirkte er noch immer vollkommen nüchtern.
“nun ja, das … das hast du jetzt gesagt”, lallte ich. “aber doch … kommt hin.”
“du dir ganz sicher sein?”, vergewisserte sich joshi, während er langsam seine bomberjacke auszog und unglaubliche muskeln zum vorschein kamen.
hätte ich zwei, drei whiskey weniger intus gehabt, dann hätte ich die gefahr vielleicht noch rechtzeitig erkannt und entsprechende gegenmaßnahmen ergriffen. so aber sagte ich einfach nur “kl…klaro” und machte ein bäuerchen.
an das, was dann geschah, erinnere ich mich nur verschwommen.
joshi packte mich an den haaren und brachte mein gesicht immer und immer wieder auf ziemlich schmerzhafte weise mit der theke in berührung, während er mich lauthals auf russisch beschimpfte. erst als vier mann den aufgebrachten russen von mir wegzogen, rutschte ich halb bewusstlos vom hocker und plumpste auf den dreckigen kneipenboden, wo ein paar meiner zähne schon auf mich warteten.
kurz bevor ich das bewusstsein endgültig verlor, sah ich über mir das engelhafte gesicht einer jungen frau, die allerdings im nächsten moment ihre ganze engelhaftigkeit augenblicklich verlor, als sie mich näher betrachtete. “du lieber himmel. sein kopf sieht ja aus wie der eines … eines explodierten kugelfischs”, sagte sie angewidert, während es um mich herum schwarz wurde und ich in einen traumlosen aber nicht unangenehmen schlaf fiel.

ein kleines luder

es schrub christian s. in simons neue freundin — christian s. So 15 Feb 2009 20:13

“hattest du schon mal eine freundin, die auf kaviarspiele stand?”, fragte mich simon, und ich schaute ihn angewidert an. auch wenn ich mich im allgemeinen als recht offenen menschen bezeichnen würde, kaviarspiele sind nun wirklich nicht gerade das, was für mich zu gutem sex dazugehört.
“ich … äh, nein”, meinte ich und ahnte schon, was jetzt kommen sollte.
“rafaela steht auf kaviarspiele”, sagte simon.
rafaela war simons neue freundin, ein kleines luder, wie man wusste, wofür ich meinen freund letzte woche erst noch beglückwünscht hatte. allerdings wusste ich da noch nicht, dass sie auch auf ferkeleien dieser ausgesprochen ekligen art steht.
“hat sie dir das heute erzählt?”, fragte ich simon, und mein freund schüttelte langsam den kopf. “aber woher willst du dann wissen, …?”
simon blickte nur beschämt zu boden. ich hatte das gefühl, dass er den tränen sehr, sehr nahe war, und da wusste ich plötzlich bescheid. “du lieber himmel”, stieß ich hervor.
“sie … sie kam gestern zu mir, als ich mir gerade die sportschau anschaute, und zog sich vor meinen augen aus, was ich natürlich erst einmal toll fand. und das, obwohl gerade fußball lief. aber dann … dann ist sie plötzlich auf mich geklettert und hat mich ohne vorwarnung einfach …”
ich stopfte mir geistesgegenwärtig die finger in die ohren, so dass ich nicht hörte, was mir simon erzählte. denn wenn sachen, die besser nicht ausgesprochen werden sollten, doch ausgesprochen werden, dann sollten sie zumindest nicht gehört werden.
“… und jetzt weiß ich nicht, was ich tun soll”, schloss simon seinen bericht, und da er sich augenscheinlich schon gewaschen hatte, gab ich ihm einen anderen rat. den rat, den ich meinem besten freund schon so oft gegeben hatte.
“du wirst dich von ihr trennen müssen”, sagte ich ernst und legte simon eine freundschaftliche hand auf die schulter. “sonst wird sie es immer und immer wieder machen. beim fernsehen, beim frühstück. sogar wenn du schläfst. immer wieder.”
mein freund nickte traurig, denn er wusste, dass ich recht hatte.

der gott des schlafes

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 12 Feb 2009 21:04

ich bin thor, der gott des donners. allerdings habe ich gestern mit dem donnern aufgehört. das mache ich nicht mehr. donnern. irgendwie habe ich die lust daran verloren. ist ja auch ziemlich langweilig, auf die dauer. jetzt weiß ich natürlich nicht, ob ich mich überhaupt noch donnergott nennen darf. so rein rechtlich gesehen, meine ich. schließlich hat der gott des donners zu donnern. oder reicht es schon aus, wenn ich donnern kann? theoretisch kann ich es ja noch. ich möchte es halt nur nicht mehr.
ach, verdammt. wie soll ich mich denn sonst nennen? mal überlegen. ich spiele ziemlich gut fußball. dann könnte ich mich doch gott des fußballs nennen. das klingt doch toll. oder gibt es vielleicht schon einen fußballgott? hmm, ich glaube schon. und wenn ich ehrlich bin, so gut spiele ich nun auch wieder nicht fußball.
mal scharf nachdenken, was mache ich denn sonst noch so. ich … ich koche, ja. kochen kann ich. allerdings nicht sonderlich gut. und ich spiele gerne auf der ukulele. das kann ich besser. aber gott der ukulele hört sich irgendwie doof an. hmm. ich schlafe auch ganz gerne. und viel. heiliger bimbam. das ist es. ich werde der gott des schlafes. ich könnte mich schnarch nennen. oder sandmännchen. nein, das wäre albern. morgen werde ich aber auf jeden fall papa fragen, was er davon hält. obwohl, begeistert wird er sicherlich nicht sein. ganz und gar nicht. vermutlich wird er sogar ziemlich verärgert sein. und dann wird es wieder ordentlich watschen hageln. papa ist nämlich der gott des krieges. der hat fäuste wie lastwagen. und ich bin leider nicht wirklich flink. im gegenteil. naja. zumindest bewege ich mich nicht schnell genug, um seinen schlägen auszuweichen. und wenn der einen erstmal mit seinen stahlbetonfäusten getroffen hat, dann gute nacht. wer weiß, ob der gott des schlafes dann noch einmal aufwacht.
wenn ich es mir recht überlege, vielleicht ist es doch nicht das schlechteste, der donnergott zu sein. und sooo langweilig ist donnern ja eigentlich auch gar nicht. schön laut ist es, wenn man es richtig macht. doch. ich denke, morgen werde ich wieder mit dem donnern anfangen.

wie ein schlaffes glied

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 10 Feb 2009 21:00

“im armdrücken war ich schon immer gut”, meinte simon, während er sich seinen ärmel hochkrempelte und ein bleicher, ziemlich dürrer arm zum vorschein kam. “und gegen eine frau”, lachte er, “habe ich noch nie verloren.”
ich ignorierte meinen siegessicheren freund und setzte unauffällig fünfzig euro auf die frau, die ihm gegenüber saß. sie war bestimmt doppelt so groß wie simon und erinnerte mich an einen rasierten bären mit warzen. ihre arme waren schwabbelig und mächtig zugleich.
neben der bärenfrau stand ein kleiner, schwitziger mann, der ihr irgendwas in einer fremden sprache ins ohr brüllte. er klopfte ihr dabei mit einer behaarten hand immer wieder auf die fleischigen schultern, während die frau ohne eine miene zu verziehen ihren siebten oder achten wodka hinunterkippte.
ich erhöhte meinen einsatz um weitere fünfzig euro.
simon bekam davon nichts mit. “ich werde ihr den arm ausreißen”, tönte mein alkoholisierter freund, und für einen kurzen moment überlegte ich, ob ich ihn vielleicht davon abhalten sollte. dann würde ich allerdings auf jede menge kohle verzichten, überlegte ich, also ließ ich ihn machen.
die beiden ungleichen kontrahenten nahmen ihre positionen ein und warteten auf das startzeichen. kaum hatten sie mit dem armdrücken begonnen, war es auch schon wieder vorbei, das ergebnis mehr als eindeutig und ich um ein paar euro reicher.
mein geschlagener freund schreite und weinte gleichzeitig, hielt sich mit seinem gesunden arm den augenscheinlich gebrochenen anderen arm, während die grizzlyfrau nur dreckig lachte und sich mit einem weiteren wodka belohnte.
“auweia”, meinte ich und strich unauffällig meinen gewinn ein, “das sieht ja verdammt übel aus.”
“das … das tut auch verdammt weh”, jammerte simon. sein kaputter arm baumelte wie ein schlaffes glied an seinem körper runter.
“vielleicht sollten wir ins krankenhaus fahren, solange er noch nicht ganz ab ist”, schlug ich vor, und mein freund nickte mit schmerzverzerrtem gesicht.
“hast du … hast du vielleicht noch etwas geld fürs taxi?”, stöhnte er. “ich habe gerade meinen letzten cent an diese … diese monsterfrau verloren.”
ich betastete unauffällig den batzen geld in meiner tasche. “ein paar euro müsste ich noch haben”, sagte ich und lächelte unschuldig. “das sollte auf jeden fall noch reichen, um dich ins krankenhaus zu fahren.”

das buch, das eben mit der post kam

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Mo 9 Feb 2009 07:15

“hast du das buch nicht schon?”, fragte mich juliette, die tagsüber meine wohnung in schuss hält und abends gelegentlich für mich strippt, ab und an aber auch das angenehme mit dem nützlichen verbindet und beim putzen strippt oder beim strippen putzt, wie auch immer. “ich meine, das steht dort drüben im regal.”
ich betrachtete das buch, das eben mit der post kam. “hm, ja. verdammt. ich glaube, du hast recht.” ich ging zu dem regal, musste nicht lange suchen und zog das gleiche buch hervor. “kannst du mir sagen, wieso zum geier ich mir das buch nochmal bestellt habe?”
“vielleicht warst du irgendwie … abgelenkt”, meinte juliette, die gerade meinen fernseher abstaubte, und zwinkerte mir erotisierend zu.
“ja. ja, so muss es wohl gewesen sein”, sagte ich und zwinkerte zurück. “sei’s drum … was meinst du denn, wie lange du noch mit dem fernseher brauchst?”

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da ich nun “das leben und sterben im uncle sam hotel” von charles bukowski doppelt habe und mein bücherregal ohnehin schon überquillt, möchte ich das buch gerne verschenken. wer also interesse hat, der möge sich kurz in den kommentaren melden. der/die erste erhält den zuschlag und darf sich über ein paar außergewöhnlich schöne kurzgeschichten über das leben und die liebe freuen.

apropos bücher … “6 herrengedecke und ein sessel aus plüsch”, ein überdurchschnittlich tolles buch mit vielen seiten, gibt es immer noch zu kaufen. hier.

die maulwurfgesichtige frau

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Do 5 Feb 2009 20:52

ich stand heute mittag als einer von vielen an der fußgängerampel und dachte an nichts böses, als mein blick plötzlich auf das alte runzelweib fiel, das völlig unbekümmert und mit verbogenem rücken mitten auf der hauptverkehrsstraße stand und in meine richtung starrte. ihr gesicht erinnerte mich an das eines vertrockneten maulwurfs und machte mir irgendwie angst. trotzdem rief ich ihr wild gestikulierend zu: “hey, sie. gehen sie da besser weg”, denn ich wollte nicht, dass sie überfahren wird, so seltsam sie auch aussehen mochte.
als sie plötzlich mit einem knochigen finger auf mich zeigte und mit kehliger stimme rief: “ich weiß, was du letzten sommer getan hast”, drehten sich die anderen leute erwartungsvoll zu mir um, während es mir eiskalt den rücken runter lief.
“was er wohl letzten sommer getan hat?”, hörte ich eine junge mutter leise fragen.
“bestimmt was schlimmes”, vermutete ein älterer herr, der aussah, als würde er in einem erdloch hausen und immer mit dem schlimmsten rechnen.
“was … was zum geier soll ich denn getan haben?”, fragte ich mit verzweifelter stimme. “sagen sie mir … was? meinen sie vielleicht den nacktmarathon in nowotroizk?”
einige der passanten machten einen schritt von mir weg, andere schauten mich nur seltsam an, während die runzelfrau stumm grinste und keine anstalten machte, auf meine frage zu antworten.
sie hörte auch nicht auf zu grinsen, als plötzlich ein lastwagen um die ecke gedonnert kam, hupte anstatt zu bremsen, und die maulwurfgesichtige frau volle möhre erwischte.
“na toll”, murmelte ich, während es um mich herum schlagartig unruhig wurde, “jetzt werde ich wohl nie erfahren, was ich letzten sommer so schlimmes getan habe.”
ich drehte mich um und wollte gerade gehen, als auf einmal der mann mit dem exhibitionisten-mantel vor mir stand. auf seiner schulter hockte zu meiner überraschung ein vertrockneter maulwurf, der mit der stimme des alten runzelweibs zu mir sagte: “ich sage ihnen, was sie letzten sommer getan haben. sie haben getanzt. und einen tag später, da haben sie gelesen. das hat uns allen sehr viel freude bereitet. dafür möchten wir uns noch einmal bei ihnen bedanken. bei ihnen und natürlich auch bei den beiden anderen.”
“ähm, ja. gerne. es war auch uns eine … freude”, meinte ich, während der seltsame mantelmann sich meine hand schnappte und sie ausgiebig schüttelte.
ich muss zugeben, dass mir in diesem moment mehr als nur ein stein vom herzen gefallen war. trotzdem frage ich mich noch jetzt, wieso die beiden es mir nicht einfach so gesagt haben.

sonst nur exhibitionisten

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. Di 3 Feb 2009 23:40

ich fuhr mit der bahn quer durch köln, nur so zum spaß, stand die meiste zeit an der tür und träumte vom legendären damenballett des westdeutschen rundfunks, wie sie extra für mich in besonders engen kostümen anmutig tanzen, als mich plötzlich ein fremder mann aus den träumen riss, indem er mir von hinten an die schulter tippte. da er einen grauen mantel trug, wie ihn sonst nur exhibitionisten tragen, und auch sonst irgendwie verschroben aussah, machte ich sicherheitshalber einen schritt zurück und puhlte mir gleichzeitig meine kopfhörer aus den ohren.
der mann grinste mich schmierig an. “jemand hat ihnen einen zettel an den rücken geklebt”, sagte er, griff mir unaufgefordert an den rücken und hielt mir ein stück papier hin.
“ich weiß, was du letzten sommer getan hast”, las ich leise, nachdem ich den zettel entgegengenommen hatte, und erschauderte. so langsam begann mir die sache unheimlich zu werden.
“was haben sie denn letzten sommer getan?”, fragte mich der mann neugierig, und ich antwortete in gedanken versunken:
“ich … ich war nacktbaden im otto maigler see, drei oder vier mal.”
“du lieber himmel, ich auch”, lachte der ominöse mantelmann und klopfte mir mit seinen wichsgriffeln freundschaftlich auf die schulter. “ich liebe es, wenn das kühle wasser meinen …”
“guter mann, bitte”, unterbrach ich ihn. “bitte, kein wort darüber. und fassen sie mich nicht an.”
an der nächsten haltestelle stieg ich aus, obwohl ich noch lange nicht zu hause war.

nacktmarathon in nowotroizk

es schrub christian s. in heiliger bimbam — christian s. So 1 Feb 2009 21:48

als ich heute morgen ins bad schlurfte, war mein spiegel vollkommen mit zahnpasta beschmiert. “ich weiß, was du letzten sommer getan hast”, stand dort geschrieben, woraufhin ich nur mit den schultern zuckte, schließlich hatte ich letzten sommer ziemlich viel getan. ich bin den nacktmarathon in nowotroizk gelaufen, habe den zweiten platz beim klettern ohne kleider in bad salzuflen belegt und ich war nacktbaden im otto maigler see, drei oder vier mal. daraus habe ich aber auch nie ein geheimnis gemacht. worauf also wollte der fremde schmierfink nur hinaus?
ich riss etwas klopapier ab und verteilte damit die zahnpasta breitflächig auf dem badezimmerspiegel, so dass mein spiegelbild fast vollständig hinter einem film aus weißer paste verschwand. “hm, war vielleicht keine so gute idee”, überlegte ich laut, als ich mein schmieriges werk betrachtete. dann schnappte ich mir meine zahnbürste und fuhr mit den borsten über den nach minze duftenden spiegel, bis sich genug zahnpasta auf der bürste gesammelt hatte, um mir die zähne zu putzen. aus irgendeinem grund musste ich wieder an den nacktmarathon in nowotroizk denken und schmunzelte. was war das für ein spaß …

"wie sonderbar", sprach der mann in meinem kopf, rieb sich kurz seine nase und machte einen purzelbaum.