vollkommen monsterfrei

simon hatte diesen ganz speziellen ausdruck im gesicht, diesen verzweifelten, den andere menschen nur haben, wenn sie aus versehen das haustier ihres nachbarn getötet haben. das konnte nur eins bedeuten, und tatsächlich …
„hattest du schon mal eine freundin, die angst vor männern hatte?“, fragte mich mein bester freund mit dem händchen für suboptimale beziehungen und klang dabei so, wie er aussah.
„ich hatte mal eine freundin, die angst vor autos hatte“, meinte ich und dachte an die lustige zeit mit miriam zurück, die sich einmal vor angst in die hose gepieselt hatte, als uns ein kleiner junge mit seinem bobbycar entgegengefahren kam. „aber angst vor männern, ne. wo lernt man denn so eine frau kennen?“
„in der … der selbsthilfegruppe für ängstliche menschen“, meinte simon, und ich blickte ihn einige augenblicke lang schweigend an, bevor ich sagte: „ich wusste gar nicht, dass du ein ängstlicher mensch bist. wovor hast du denn angst?“
„vor … monstern“, sagte simon, der doch immer für eine überraschung gut war.
„es gibt keine monster“, sagte ich betont ernst und schaffte es, mir ein grinsen zu verkneifen.
„das versuchen die mir in der selbsthilfegruppe auch zu verklickern“, meinte simon, während er sich verstohlen umblickte. „naja, jedenfalls habe ich dort meike kennengelernt“, sagte mein freund, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der raum vollkommen monsterfrei war.
„meike. die angst vor männern hat.“
„genau.“
„und jetzt seid ihr zusammen, obwohl du ein mann bist?“
simon nickte. „sie versucht, durch die beziehung mit mir ihre angst in den griff zu bekommen.“ mein freund schaute mich an wie ein hund, dem man einen glühenden stock in die seite gestochen hat. „aber irgendwie will es nicht funktionieren. jedesmal, wenn sie mich sieht, zuckt sie zusammen, als wäre ich ein … ein monster. und dann fängt sie an zu weinen. manchmal schreit sie sogar um hilfe, wenn ich sie freundlich anlache. dann muss ich ihr immer ein kissen auf das gesicht drücken, bis sie sich endlich beruhigt und friedlich einschlummert.“
„das macht eine beziehung sicher nicht gerade einfach“, überlegte ich laut. als ob beziehungen mit frauen nicht schon schwierig genug sind, fügte ich in gedanken hinzu. „und wie soll es jetzt mit euch beiden weitergehen?“, fragte ich.
„ich habe keine ahnung“, sagte simon resignierend, also überlegte ich kurz.
„hm. wie wäre es denn, wenn du dich einfach in der nächsten zeit als frau verkleidest“, schlug ich meinem besten freund vor. „zumindest so lange, bis sich meike an dich gewöhnt hat.“
„das … das ist vielleicht gar nicht mal so eine schlechte idee“, meinte simon zu meiner überraschung, denn selbst ich fand die idee eigentlich ziemlich beknackt.

Über christian s.

das, was ich hier hinein schreibe, wird dann später für alle sichtbar sein.
Dieser Beitrag wurde unter simons neue freundin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu vollkommen monsterfrei

  1. Erdge Schoss sagt:

    Wer Sie zum Freund hat, werter Herr Grob,
    muss sich wirklich keine Sorgen machen.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  2. Frau W. sagt:

    Finde ich nicht in Ordnung, lieber Herr Grob, dass Sie Simon belügen. Natürlich gibt es Monster. Sehr viele sogar! Laufen Sie denn mit geschlossenen Augen in der Gegend rum?!

    Und das mit Miriam tut mir leid. Ehrlich. Ich habe dem Junior damals ständig gesagt, dass er nicht wie ein Henker mit seinem Bobbycar durch die Gegend rasen und alles niedermähen soll, was nicht rechtzeitig zur Seite springt. Aber Sie wissen ja, wie kleine Jungs sind.

    Wissen Sie doch, oder? Die hören genau so wenig, wie die großen Jungs…

  3. Sonne sagt:

    Ich hab auch eine Homophobie. Deshalb stell ich mir die Männer auch immer in Frauenkleidern vor und reise im Urlaub grundsätzlich nur nach Schottland.

  4. Sollen die beiden als Therapieeinheit doch in Ihre „Angstrollen“ schlüpfen:
    Er wird „Monster“, sie wird „Mann“. Mann und Monster leben dann also zusammen: Eine völlig normale Konstellation.

  5. Katrin sagt:

    Ich kann nur den Kopf schütteln……..

  6. me. sagt:

    sind sie ganz sicher, herr grob, dass simon da nichts falsch verstanden hat? es klingt nicht so, als wuesste maike von der beziehung…

  7. christian s. sagt:

    das ist normal. ich hatte schon viele freundinnen, die gar nicht wussten, dass sie meine freundinnen sind.

    @katrin – heavy metal is the law!

    @donkys freund – manchmal leben auch monster und monster zusammen. das gibt meist tote. und manchmal leben sogar mann und mann zusammen. das gibt zwar keine tote, aber auch keine kinder.

    @sonne – gibt es in schottland nur noch frauen?! nichts wie hin …

    @frau w. – klar weiß ich, dass es monster gibt, liebe frau w., aber simon hat dann sicher nicht weniger angst vor ihnen, wenn ich ihm sage, dass es tatsächlich welche gibt.

    @herr schoss – ich helfe wo ich kann. und will noch nicht einmal geld dafür.

  8. MC Winkel sagt:

    Ich habe noch ein älteres, roséfarbenes Hemd, welches ich nicht mehr trage!
    Könnte ich gern zur Verfügung stellen.
    Wem auch immer.

  9. Ich habe Angst vor Ihnen, Herr Grob! Und vor rosa Hemden!

  10. Die DiVa sagt:

    Mit Konfrontationstherapie habe ich meine Angst, vor Luft, Tastaturen und Fingernägeln in den Griff bekommen, werter Herr Grob. Dennoch richten sie Simon bitte aus, er soll das mit dem Kissen lassen, die ganze Schonerei bringt doch nichts!

    Herzlichst Ihre DiVa

Kommentare sind geschlossen.