so ganz ohne augen

ich beobachtete doktor jakobi heimlich dabei, wie er in seiner garage einen maulwurf operierte.

gestern abend hatte doktor jakobi bei einem glas bier noch damit geprahlt, dass er einem maulwurf zu besseren sehfähigkeiten verhelfen konnte, indem er ihm einfach die augen einer kuh einpflanzte.
„und was wird dann aus der kuh?“, fragte ich ihn durchaus interessiert und nippte an meinem bier. „die ist doch dann blind wie ein… äh, maulwurf, so ganz ohne augen.“
„das ist nicht richtig“, meinte doktor jakobi, der in wirklichkeit zeitungsbote war, „kühe brauchen ihre augen im grunde gar nicht. sie sehen durch die nase.“
ich kannte mich mit kühen zwar nicht sonderlich gut aus, konnte mir aber nicht vorstellen, dass diese freundlichen wiederkäuer tatsächlich mit ihrer nase sehen konnten.
„wenn kühe tatsächlich durch die nase sehen“, überlegte ich laut, so dass doktor jakobi es auch mitbekam, „und nicht mit den augen, diese also völlig nutzlos sind, was macht es dann überhaupt für einen sinn, die augen einer kuh einem maulwurf einzupflanzen? und mal ganz davon abgesehen, ob es nun sinn macht oder nicht, passen die riesigen kuhaugen überhaupt in einen maulwurfschädel, der doch eher klein ist?“
„natürlich nicht“, sagte doktor jakobi ein wenig patzig. „dazu muss ich erst die augenhöhlen des maulwurfs mit einem elektronischen spreizkolben vergrößern.“
„mit einem… elektronischen spreizkolben, oh. und wenn der kleine kerl dann die… äh, eigentlich nutzlosen kulleraugen einer kuh in seinem kopf hat, dann kann er tatsächlich besser sehen?“
„wenn er die operation überlebt, ja. natürlich.“
„hm. irgendwie glaube ich das nicht“, meinte ich und widmete mich meinem bier.
doktor jakobi schaute mich böse an, nahm einen letzten großen schluck und stellte das leere glas geräuschvoll vor sich auf den tresen.
„glauben sie doch, was sie wollen“, sagte er schließlich, bezahlte sein bier und verließ die kneipe.

jetzt warf doktor jakobi gerade die verkümmerten augen des vor ihm liegenden (und hoffentlich vollnarkotisierten) maulwurfs achtlos in einen mülleimer. seine rechte hand tastete nach einem metallenen kolben, der auf einem tablett neben ihm lag, während zwei großen kuhaugen mich aus einem einmachglas heraus flehend anstarrten.

Über christian s.

das, was ich hier hinein schreibe, wird dann später für alle sichtbar sein.
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5 Kommentare zu so ganz ohne augen

  1. Piano sagt:

    Das ist aber gemein. Dr. Jakobi könnte doch wenigstens der Kuh die riesen Pranken des Maulwurfs dran transplantieren. So als Ausgleich für die Augen. Oder so.

  2. Ronnie sagt:

    Kühe riechen nicht gut. Haben sie mal an einer Kuh gerochen?

  3. Herr Schmidt sagt:

    Maulwürfe haben auch keinen Euter. Ich mein, wo Doktor Jakobi gerade dabei ist…

  4. Das erinnert mich an die Frage, was wohl aus dem kleinen Zeichentrick-Maulwurf aus dem Kinderprogramm von damals (ziemlich sehr damals) geworden ist.

    Wie will Dr. Jakobi eigentlich das unvermeidliche Gleichgewichtsproblem in den Griff kriegen, das nach diesem Eingriff zweifellos entstehen wird? Wenn der Maulwurf immer nur auf seiner Schnauze steht und nicht mehr gehen kann, geschweige denn nach vorne schauen und die Sehtestbuchstaben lesen, wird Dr. Jakobi seinen Beweis nie erbringen.

    Jawoll.

  5. christian s. sagt:

    ich glaube ja im grunde auch nicht daran, dass das wirklich klappt. na ja, was soll’s.

    @herr schmidt – das ist ja… pervers.

    @ronnie – ich habe mal meinen kopf in ihren… ist ja auch egal.

    @piano – könnte man auch alles in einem abwasch machen, gute idee.

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