am besten ein wildes gesicht

als das filmteam plötzlich bei mir in der wohnung stand, machte ich ein überraschtes gesicht. „wir drehen eine reportage über berggorillas“, erklärte der regisseur knapp, indem er in sein megaphon brüllte. „es wäre toll, wenn sie einmal dort drüben auf den schrank klettern könnten und sich dann mit ihren fäusten gegen die brust schlagen. machen sie am besten ein wildes gesicht dabei, das kommt im fernsehen immer gut“, meinte er.
„aber ich … ich bin doch gar kein gorilla“, erklärte ich das offensichtliche, während mir ein flauschiges mikrophon ins gesicht gehalten wurde. „ich sehe noch nicht einmal wie einer aus“, sagte ich und versuchte, das flauschige ding mit einer hand wegzudrücken. ein stämmiger mann schob gerade eine monströse apparatur in mein wohnzimmer, vermutlich eine nebelmaschine.
„das macht nichts“, sagte der regisseur in sein megaphon, „klettern sie jetzt bitte auf den schrank, wir wollen anfangen.“
ich schaute zu dem schrank rüber, der noch nie sonderlich stabil ausgesehen hatte und es vermutlich auch nicht war. normalerweise vermiet ich es, ihn zu öffnen oder anzuschauen. andererseits hatte ich schon immer damit geliebäugelt, einmal auf meinen wohnzimmerschrank zu klettern. und wenn nicht jetzt, …
„wird das heute noch was?“, fragte der regisseur ungeduldig. „bis drei müssen wir alles im kasten haben.“
„ugh!“, antwortete ich kurzerhand in der gorilla-sprache und schlug mir dreimal auf die brust. der regisseur gab dem mann an der maschine ein zeichen, und im nächsten moment füllte sich der raum mit künstlichem nebel, so dass ich kaum etwas sah, als ich mich vorsichtig in richtung schrank tastete und über den kopf meines ameisenbärenfells stolperte. als ich den schrank – der zwar knarrte und wankte aber auf wundersame weise nicht in sich zusammenkrachte – erklommen hatte, brüllte ich wie ein ausgewachsener silberrücken mit wut im bauch und schlug mir immer und immer wieder gegen die spärlich behaarte brust. mein t-shirt hatte ich mir zwischenzeitlich vom leib gerissen, denn gorillas tragen ja schließlich auch keine t-shirts.
nachdem der nebel sich langsam gelegt hatte und mein blick wieder klar wurde, war das filmteam verschwunden. stattdessen standen mein freund simon und sein kleiner bruder jakobus vor dem schrank und blickten mit entsetzten gesichtern nach oben.
„was macht er da?“, hörte ich simon fragen, doch jakobus wusste darauf keine antwort und zuckte nur mit den schultern. „ich habe keine ahnung“, sagte er, während der schrank unter mir begann, sich langsam in seine einzelteile aufzulösen.

Über christian s.

das, was ich hier hinein schreibe, wird dann später für alle sichtbar sein.
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12 Kommentare zu am besten ein wildes gesicht

  1. Erdge Schoss sagt:

    Sie sind ein Tier, werter Herr Grob!

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  2. Nina sagt:

    Pff. Der Regisseur ist ein Dilettant, und der Soundtechniker ebenfalls. Flauschige Mikros werden doch nur bei Außenaufnahmen eingesetzt, um das Rauschen des Windes abzufangen!

  3. Herr Schmidt sagt:

    Hatten Sie denn wenigstens noch Ihre Hose an, werter Herr Grob?

  4. Kaal sagt:

    Wann wird das gesendet?

  5. cassiopeia sagt:

    uga aga … 😀

  6. me. sagt:

    affenstarke vorstellung, herr grob 😀 nur das ameisenbaerenfell verzeihe ich ihnen noch nicht so ganz…

  7. Die DiVa sagt:

    Als ich klein war, werter Herr Grob, wollte ich auch immer Gorilla werden, ich entschied mich aber dann doch für eine Karriere als Wellensittich, wegen der Schränke, Sie verstehen.

    wellensittich Ihre DiVa

  8. Das war das Undercover-Casting für den Blockbuster „King Kong in Trulleberg“.

  9. juf sagt:

    Ich habe ja mal in „Mikroorganismus“ mitgespielt, einem Porno

  10. christian s. sagt:

    als orgasmenvergrämer?!

    @donkys freund – ich sollte die rolle haben, so überzeugend wie ich war.

    @die diva – ich hatte mal einen wellensittich. der hat mir immer auf den schrank gekackt. waren sie das etwa, frau diva?

    @me. – das hat aber stil.

    @cassiopeia – ich sehe, wir verstehen uns.

    @kaal – irgendwann auf arte. wahrscheinlich mitten in der nacht.

    @herr schmidt – na sicher, werter herr schmidt. ich heiße doch nicht rubbeldiekatz.

    @nina – nun ja. in meiner wohnung ist es immer ein wenig windig. seitdem man mir sämtliche glasscheiben aus den fensterrahmen geklaut hat.

    @maak – das hat man nun davon.

    @herr schoss – ein wildes noch dazu.

  11. PropheT sagt:

    „Ugh!“ ist mal eindeutig Orang-Utan Sprache.

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