Auf einem Pony zur Schule

Ich hatte mal ein südchinesisches Zwergpony, das hieß Moni.
(Eigentlich ist damit schon alles gesagt, aber ich erzähle trotzdem mal weiter.)

Mir wäre lieber gewesen, es hätte einen anderen, vielleicht etwas cooleren Namen gehabt. Doch leider ließen sich weder meine Eltern, von denen ich das Pony zu Weihnachten bekommen hatte, noch das kleinwüchsige Pferd davon überzeugen, dass Dr. Zorn ein passender Name für ein Pony ist. Jedes Mal, wenn ich es so nannte, hat mir das blöde Viech in den Kopf gebissen. Oder in die Arme, wenn ich diese rechtzeitig nach oben reißen konnte. Das ist mir allerdings nur äußerst selten gelungen, da das Pony zum einen verteufelt schnell war, zum anderen meine Reaktionszeit schon damals fast eine ganze Minute betrug.

Am besten wäre gewesen, meine Eltern hätten mir das Pony gar nicht erst geschenkt. Oder mich wenigstens nicht dazu gezwungen, auf diesem zur Schule zu reiten. Man wird nicht gerade jubelnd empfangen, wenn man auf einem Pony zur Schule reitet. Im Gegenteil. Die meisten meiner Mitschüler haben gelacht, wenn sie mich sahen, einige haben ziemlich fiese Witze gerissen. Ein paar wenige haben mich sogar mit ihren Pausenbroten beworfen, wodurch ich regelmäßig das Gleichgewicht verlor und aus dem Sattel flog. Wenigstens – und das ist vielleicht der einzige Vorteil eines winzigen Pferds – fällt man von einem Pony nicht allzu tief.

Das tägliche Gelächter, die Witze auf meine Kosten und die zum Teil ziemlich harten Brote waren aber nicht einmal das Schlimmste. Viel blöder fand ich, dass alle Mädchen, die sich schon für Jungen interessierten, dachten, ich würde mich aufgrund meiner Reiterei ebenfalls für Jungen interessieren. Ein paar wenige Jungen, die sich sehr für Pferde interessierten, dachten anscheinend ähnlich und begannen auf einmal, sich für mich zu interessieren. Während die anderen Jungen, die mit Pferden nichts am Hut hatten und die meiste Zeit nur Fußball spielten, im besten Fall nichts mit mir zu tun haben wollten. Meistens aber haben sie mich verkloppt oder mir ihren Fußball ins Gesicht geworfen, was bei einer Reaktionszeit wie der meinen gleich doppelt gemein ist. Ein Pony – das habe ich damals schmerzlich erfahren müssen – ist in solchen Situationen keine große Hilfe.

(In den meisten anderen übrigens auch nicht. Davon erzähle ich vielleicht ein anderes Mal.)

Dieser Beitrag wurde unter heiliger bimbam veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten auf Auf einem Pony zur Schule

  1. prophet sagt:

    Ich musste mir in der Schule auch Pony-Witze anhören, die sich über mich lustig machten. Das war aber, als ich mit meinem cowboyartien Hut rumlief. Ich habe ihn danach nicht mehr oft getragen.

  2. Falcon030 sagt:

    Mein lieber Herr S., ich mag jetzt gar keine Spekulationen über Ihre Körpergröße anstellen, aber wenn es einem Zwergpony gelingt, Ihnen in den Kopf zu beißen, kann es damit vermutlich nicht allzu weit her sein.
    Was natürlich nicht das Geringste an der Tragik Ihrer Geschichte ändert.

  3. Kaal sagt:

    Das Pony und Du – hattet ihr zufällig auch dieselbe Frisur?

  4. Meise sagt:

    Aber bester Falke, der gute Herr Grob war damals doch noch ein Kind und somit ja wohl ein ganzes Stück kleiner als jetzt.
    Oder etwa nicht? Herr Grob?

    Wobei… bei mir wäre da tatsächlich kein großer Unterschied…

  5. christian s. sagt:

    @Meise + Falcon – Ich war damals wie heute nicht viel größer als ein Autoreifen, mit dem man mich auch häufig verwechselt hat.

    @Kaal – Ich hatte noch nie eine Frisur, früher aber wenigstens Haare.

    @prophet – Sie hätten sich auch eine Peitsche besorgen sollen. Dann hätte man Sie für Indiana Jones gehalten, und niemand hätte sich mehr lustig gemacht.

  6. <°((( ~~< sagt:

    Du musst die Geschichte richtig erzählen, also vollständig:

    Die Mitschüler haben ziemlich fies gelacht, und dann sind sie in den „Schulbus“ gestiegen – so nannten sie das Wrack eines Campingwagens, das von einer ausgemergelten Kuh gezogen wurde und ihre Dörfer im weiteren Umland bediente.

    Wenn sie dort mit irgendjemandem Fußball spielen wollten, mussten sie den „Bus“fahrer um seine Kuh bitten, da auf ihren jeweiligen Dörfern kaum andere Kinder lebten. Die Kuh machte dazu meist ein trauriges Gesicht. Aber sie gewann oft.

  7. christian s. sagt:

    Okay, danke für die Ergänzung. Das nächste Mal hole ich weiter aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.